Zuwanderung: Deutschland schrumpft nicht mehr so schnell

04.10.15

Durch die Zuwanderung wird die deutsche Gesellschaft langsamer schrumpfen und altern. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des ifo Instituts Dresden für die Friedrich-Ebert Stiftung. Danach würde ohne weitere Zuwanderung der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bis 2030 automatisch auf etwa 24,4 Prozent wachsen, von 20,5 Prozent im Jahre 2013. Mit Zuwanderung wird er 2030 sogar fast 30 Prozent erreichen. Die Studie wurde vor den aktuell hohen Zuwanderungszahlen von Flüchtlingen fertiggestellt und Ende September 2015 präsentiert.

Marcel Thum vom ifo Institut Dresden ist optimistisch: "Deutschland hat die Zahl von ausländischen Studierenden in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Wenn es uns gelingt, diese Gruppe nach Studienabschluss zu halten, ist das auch ein Gewinn für die deutschen Steuer- und Sozialsysteme", sagt er. 

Ohne eine moderate Netto-Zuwanderung würde die Bevölkerungszahl im Jahr 2030 im Vergleich zu 2013 um 5,3 Millionen Menschen auf rund 75,5 Millionen schrumpfen. Menschen mit Migrationshintergrund leben häufiger in Städten, vor allem in Westdeutschland und Berlin, weisen höhere Geburtenraten in der ersten Generation auf und zeigen auch andere Erwerbsmuster am Arbeitsmarkt. Sie verdienen deutlich weniger als die Einheimischen und haben eine andere Qualifikationsstruktur. Darauf macht Ko-Autor Alexander Kemnitz aufmerksam: Zwar hätten Menschen mit Migrationshintergrund häufiger das Abitur als die Einheimischen. Ein großer Teil habe allerdings keinen Schulabschluss, sagt der Experte. 

Auch bei den Unternehmensgründungen liegen die Migranten in Deutschland ganz vorne. Die weltweite Studie „Global Entrepreneurship Monitor“ zeigt: Nahezu überall auf der Welt gründen Migranten häufiger Firmen als Einheimische. So liegt der Anteil der Gründer mit ausländischen Wurzeln bei 21 Prozent wie der „Gründungsmonitor der Förderbank KfW“ belegt. 

Was bedeuten diese Zahlen der Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund für die Eingliederung in den heimischen Arbeitsmarkt? Worauf müssen Arbeitgeber achten, wenn Sie Flüchtlinge einstellen wollen? Hier stehen zunächst Fragen wie die Förderung deutscher Sprachkenntnisse und die Feststellung beruflicher Kompetenzen im Vordergrund. Beratungs- und Qualifizierungsangebote sowie Kenntnisse über Rechtsvorschriften, die den Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt und die damit verbundenen Fördermaßnahmen regeln, werden immer wichtiger. 

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, hat ein umfangreiches Dossier mit Dokumenten und Artikel zusammengestellt, das genau diese Fragen aufgreift – klicken Sie sich durch.