„Zuviel Nebeneinander – zu wenig Steuerung“ - ddn-Demographieforum auf der didacta 2017

21.02.17

Dortmund, 20. Februar 2017 - "Zuviel Nebeneinander - zu wenig Steuerung". Akteuren fehlt der Gesamtüberblick, eine Verzahnung der zahlreichen Initiativen findet kaum statt." Zu diesem Schluss kommt das Demographie Netzwerk e.V. (ddn) auf der didacta Bildungsmesse vergangenen Donnerstag in Stuttgart auf seinem Forum zum Thema "Von Flüchtlinge zu Fachkräften - die ddn -Kompetenzoffensive": "Bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt besteht "dringender Handlungsbedarf. Wir brauchen einen durchgängigen Fahrplan zur Kompetenzentwicklung."

ddn Vorstand Christoph Zeckra, Public Affairs and Community Engagement, Generali Deutschland AG, kritisierte in seiner Keynote die "sehr ernüchternde Zwischenbilanz der Integrationsarbeit". 400.000 Geflüchtete suchten zwar einen Job, aber nur 30.000 hätten bisher den Arbeitsmarkt erreicht. Es fehle nicht am Engagement. Doch die "zahlreichen und "sehr anerkennenswerten Initiativen" von Industrie, Gesellschaft, Kirchen und Arbeitsamt seien zu wenig koordiniert. "Für sich alles gut gemeint und meistens gut gemacht" - aber mangels abgestimmten Vorgehens weitgehend ineffizient." Jeder agiere für sich.

Zeckra: "Wir müssen uns lösen von den getrennten Aktivitäten. Wir brauchen dringend einen gemeinsam entwickelten Fahrplan mit festgelegten Zielen und konsequenter Ergebniskontrolle." Die bestehende Förderung einzelner Aktivitäten ohne parallelen Aufbau von Kooperationsstrukturen erweise sich als unzureichend. Die vielen Akteure - etwa die ehrenamtlichen Integrationspaten, gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jungend, die hauptamtlichen Lotsen der IHKs, die Ausbildungsmentoren und Berater der Jobcenter - müssten verzahnt werden. Zeckra: "Wirksame Kooperationsstrukturen sind die Bedingung für erfolgreiche Integration."

ddn-Vorstand Siegmar Nesch, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der AOK Baden-Württemberg betonte die "Schlüsselrolle der Unternehmen" bei der Integration. Sie vor allem stünden in der Verantwortung. Zu ihrer Unterstützung gebe es zwar "unglaublich viele Angebote". Diese müssten den Unternehmen aber auch bekannt gemacht werden. "Wir brauchen mehr Wissentransfer".

Nesch forderte die Unternehmen auf, ihrerseits mehr über Erfahrungen bei der Integration zu berichten und darüber, welche positiven Effekte diese auch für die eigene Belegschaft nach sich ziehen kann.

Die Teilnehmer erörterten konkrete Projekte zur Auswahl qualifizierter Geflüchteter, und zur Kombination fachbezogener und allgemeiner Sprachtrainings. Großunternehmen können die Kompetenzfeststellung für kleinere Unternehmen mit übernehmen und diese dadurch entlasten. In "Talenthäusern" wie in Nordrhein-Westfalen können Geflüchtete unbürokratisch und ohne lange Testverfahren Fertigkeiten und Fähigkeiten zeigen - im Beisein von Unternehmen.

Entscheidend ist nicht allein die berufliche, sondern auch die kulturelle und soziale Integration - "Sprache ist nicht alles", betonten Teilnehmer. Betriebe können das Miteinander befördern auch mit "kleinen" Maßnahmen wie dem gemeinsamen Gang in die Kantine.

Die Unternehmen Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co KG, Ingelheim, die AOK Baden-Württembergund die Lapp GmbH, beide Stuttgart, stellten ihre erfolgreich laufenden Integrationsprogramme vor und berichteten aus der Praxis. Das Demographie Netzwerk wird die systemische Kompentenzentwicklung jetzt weiter anregen und auf den Ausbau verbindlicher Kooperationsstrukturen hinwirken.

Mehr Informationen sowie Bilder unter www.demographie-netzwerk.de

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Dr. Andreas Knaut
ddn Kommunikation
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DAS DEMOGRAPHIE NETZWERK (ddn) ist ein Zusammenschluss von rund 400 Unternehmen und Institutionen mit einer Personalverantwortung für über zwei Million Beschäftigten. Es hat sich zum Ziel gesetzt, den demographischen Wandel in den Belegschaften aktiv zu gestalten und praxisfähige Konzepte für eine erfolgreiche Diversität zu erstellen. Der ddn wurde 2006 auf Initiative des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gegründet.