So funktioniert Familienfreundlichkeit in KMU

15.06.15

Eine familienfreundliche Personalpolitik gehört auch in KMU längst zum guten Ton. Als Folge des demographischen Wandels muss dabei zukünftig verstärkt die Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Beruf berücksichtigt werden. Wie wird Familienfreundlichkeit zum Erfolgsmodell? Aktuelle Trends und Entwicklungen diskutieren die ddn-Vorstandsmitglieder Rudolf Kast und Wolfgang Witte. 

Was kennzeichnet familienfreundliche Personalpolitik in KMU?

Witte: In kleinen und mittelständischen Unternehmen haben Arbeitgeber und Beschäftigte ein Persönlicheres Verhältnis zueinander. Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden meistens individuell gesucht. Familienfreundliche Personalpolitik ist seltener in strukturierte Programme gegossen.

Kast: Im Vergleich zu den ganz kleinen Unternehmen gehen die größeren Mittelständler bereits strukturierter und konzeptioneller vor – vor allem bei der Kinderbetreuung. Das zeigt sich zum Beispiel dann, wenn sich in Gewerbegebieten Unternehmen zusammenschließen und gemeinsam Kinderbetreuungseinrichtungen betreiben.

Wie haben KMU in den letzten zehn Jahren von familienfreundlicher Personalpolitik profitiert?

Kast: Vor 15 Jahren galt das Thema in Unternehmen als exotisch; heute gehört es zum „guten Ton“. Nahezu alle Unternehmen versuchen, familienfreundliche Maßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig macht die wachsende Nachfrage von Beschäftigten die Arbeitgeber kreativ, die Angebote werden differenzierter. Das lässt sich vor allem an der Entwicklung flexibler Arbeitszeitmodelle beobachten. Arbeitgeber profitieren davon, weil sie so flexibler werden. Insgesamt hat es die Arbeitsbeziehung bereichert.

Auf welche Trends müssen familienbewusste Unternehmen in den nächsten Jahren verstärkt reagieren?

Kast: Durch den demografischen Wandel werden Belegschaften älter – so auch ihre Partnerinnen und Partner. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern zu müssen. Jüngere Beschäftigte haben Eltern, die vermutlich ein hohes Alter erreichen werden. Damit wird sich der Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Job und Pflege verlagern. Erste Betriebsvereinbarungen greifen das Thema ja bereits aktiv auf.

Inwieweit wird Vereinbarkeit auch verstärkt zum Männerthema? 

Witte: In bestimmten Branchen und Großstädten ist dieser Trend schon mitten in der Gesellschaft angekommen und damit Realität. Das werden, zeitlich versetzt, auch die KMU merken. Väter, die eine längere Elternzeit nehmen oder in vollzeitnaher Teilzeit arbeiten möchten, werden häufiger. 

Was wird in den kommenden Jahren für KMU wichtig sein, wenn sie ganz praktisch Vereinbarkeit erleichtern wollen? 

Witte: Arbeitgeber müssen familienfreundliche Personalpolitik offensiv und mutig angehen. Wichtig wird es für Unternehmen, häufigere Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitszeitmodellen zu bewältigen. Dazu gehört auch, Hürden beim Wiedereinstieg nach einer Elternzeit abzubauen und den familienbedingten Ein- und Ausstieg grundsätzlich durchlässiger zu gestalten. Das alles wird nur klappen, wenn Familienfreundlichkeit auch Teil der Unternehmenskultur ist und von allen gelebt wird. Dafür müssen gerade die Führungskräfte des Unternehmens sensibilisiert werden. Dabei kommt es auch auf den Dialog zwischen Arbeitgeber und Führungskräften an.

Kast: KMU befinden sich in den nächsten Jahren in einem noch viel heftigeren Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Praktische Vereinbarkeitsmodelle werden für sie oft leichter zu realisieren sein als für Großunternehmen, weil sie meist viel flexibler und individueller Hilfe bieten können. Strukturierte Gesamtlösungen verbunden mit dem Charme individueller Angebote für Beschäftigte – auch kurzfristig – werden Wettbewerbsvorteile im Arbeitsmarkt bringen. Kleinere Unternehmen sollten dabei auf die gegenseitige Unterstützung in Netzwerken bauen, sie müssen nicht alles alleine aufbauen. 

Weitere praxisorientierte Beiträge aus dem Checkheft „familienorientierte Personalpolitik für kleine und mittlere Unternehmen“ – herausgegeben vom DIHK sowie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – finden Sie hier.