Jetzt aktiv werden! Demografiefeste Wege in die Arbeitswelt 4.0

10.10.16

IT- Strategien, Best Practice, Wissensmanagement- und Transfer, Umsetzung von Innovationen – vor den Herausforderungen, die sich hinter diesen Stichwörtern verbergen, kann sich heutzutage kein Unternehmen mehr drücken. „Endlich loslegen, Mittelstand!“ fordert deshalb Rudolf Kast als Vorsitzender des Demographie Netzwerks (ddn). Unter dem Titel „Arbeitswelt 4.0“ stellt ddn am 20. Oktober 2016 bundesweit in zahlreichen Städten Ideen und Konzepte für die Industrie 4.0 und die damit einhergehende fortschreitende Digitalisierung vor.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens an ihren Arbeitsplatz, alle Kollegen sind schon da und alle spielen Monopoly. Auf Ihre Frage, was denn hier los ist, bekommen Sie zur Antwort: „Das ist unsere Weiterbildung“. So verrückt, wie das zunächst klinge, sei das gar nicht, erklärt die Münchner Unternehmensberaterin Carmen Kraushaar, die sich auf das Thema Demografischer Wandel spezialisiert hat. Derartige Spiele seien nämlich in manchen Betrieben längst Realität und sinnvoll. Kraushaar: „Da lernt man spielerisch und leicht auf Themen zuzugehen, vor denen gerade ältere Arbeitnehmer gerne mal zurückzucken“.

Mit Hilfe eines solchen, dem gängigen Monopoly nachempfundenen BWL-Planspiels werden die Grundlagen wirtschaftlichen Denkens und Handelns in der Arbeitswelt 4.0 vermittelt. Statt „gehe über Los“ oder „Parkstraße“ findet der Kollege auf seinem gezogenen Kärtchen allerdings dann Aufschriften wie „was will der Kunde“ oder „Kapital“. Über das im Spiel eingesetzte „Vermögen“ und die „Bilanz“ des Unternehmens müssen sich die 4.0 – Spieler vorab einigen. Verhandelbar sind die Lösungswege und verhandelbar ist, wer für einzelne Zuständigkeitsbereiche wie Gewinn- und Verlustrechnung oder Finanzbuchhaltung verantwortlich sein soll. Das verursache bei vielen, so Kraushaar, „ungebremste Begeisterung“. Auf Omas altmodischem Spielbrett kämen sich Jung und Alt auch bei schweren Themen schnell näher und „schwupps ist es mit Digitalisierung und Demografie gar nicht mehr so schwierig“. Denn natürlich kann jeder das Spiel dann auch online (nach)spielen.

Die Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution, ist keine Zukunftsvision mehr, sie ist in vollem Gange. Von immer neuen digitalen Programmen getrieben wachsen reale und virtuelle Welt auch im mittelständischen Bereich der Wirtschaft schnell zusammen. Angesichts der hohen Geschwindigkeit, mit der sich diese Entwicklung vollzieht, sollte jede Möglichkeit genutzt werden, diesen Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Dafür bietet das Demographie Netzwerk (ddn) seine Hilfe an. Vorsitzender Rudolf Kast: „Wir wollen erreichen, dass unsere Unternehmen nicht stolpernd, sondern gelassen über die Schwelle zur vierten industriellen Revolution schreiten“. Die schlechte Nachricht: Laut einer aktuellen McKinsey-Studie haben zwei von drei jener Unternehmen, die ohnehin mit ihrer Anpassung an die neue digitale Betriebswelt zurückgeblieben sind, keine Aufhol-Strategie. „Und damit müssen wir heute beginnen“, so Carmen Kraushaar. Gute Vorsätze allein reichten nicht mehr. Führung und Belegschaften dieser Betriebe müssten „endlich in die Puschen kommen".

Heute berät die Mitt-Fünfzigerin, die auf eine lange internationale Erfahrung als Sales-Managerin zurückblicken kann, Unternehmen bei der Besetzung von Fach- und Führungspositionen im Hinblick auf die anstehenden digitalen Umwälzungen. Die Integration von IT in den Produktionsprozess, so die stellvertretende Regionalleiterin Oberbayern des bundesweiten Demografie Netzwerks (ddn), bedeute schließlich für jedes Unternehmen massive Veränderungen in der Belegschaftsstruktur.

„Digitalisierung auf der einen Seite und Demografie auf der anderen werden die Arbeitswelt von morgen entscheidend prägen“, betont auch David Reinisch von der „Allianz Zukunftsthemen“. Mit diesem Thema wird er sich auf dem Aktionstag „Arbeitswelt 4.0“ des ddn am 20.Oktober 2016 Auseinandersetzen. Beides, Digitalisierung und Alterung der Gesellschaft, erhöhten den Druck auf die Unternehmen, eine Arbeitskultur zu entwickeln, die schnelle, individuelle und vor allem zukunftsfeste Lösungen bietet. Rudolf Kast, Vorstandsvorsitzender beim ddn und Mitinitiator des bundesweiten Aktionstages, sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf. Kast: „Der starken Verdichtung von Arbeit, der Ausweitung der Lebensarbeitszeit, der digitalen Transformation, die uns lebenslanges Lernen abverlangt, müssen wir uns stellen“. Der gemeinnützige Verein hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Mittelstand demografiefest zu machen, und das auf allen Ebenen.

Während die großen Konzerne sich längst auf diese Veränderungen vorbereiten habe der Mittelstand, die wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft, die Dringlichkeit des Themas vielfach noch nicht erkannt, so Kraushaar. Ihre Erfahrung: „Die gehen das immer noch nicht aktiv genug an“. Tobias Kollmann, BWL- Professor an der Universität Duisburg-Essen, erinnert das Verhalten der Unternehmen gar an die größte Schiffskatastrophe des 20. Jahrhundert. „Die meisten Industriekapitäne stehen zufrieden auf dem Deck weil die Titanic noch gut funktioniert. Dabei ist der digitale Eisberg schon in Sicht.“ Und der macht vor den Arbeitsplätzen nicht halt. Christoph Kahlenberg, Manager bei der Randstad Akademie Arbeitsmarktprojekte, behandelt auf dem Aktionstag in München die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. In einer sich immer schneller verändernden Arbeitswelt werde die berufliche Fort- und Weiterbildung zu einer Daueraufgabe für jeden Einzelnen, unabhängig vom Alter. Kahlenberg: „Hier sind die Unternehmen gefragt. Dringend!“

Mittelständler sollten sich beispielsweise mehr mit Hilfe von Startups neue Märkte erschließen oder etwa ihr Sortiment auch via Online-Plattformen vertreiben fordert deshalb Dirk Binding, Bereichsleiter Dienstleistungen, Infrastruktur, Regionalpolitik beim DIHK (Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V.): „Startups können mit ihrer oft unkonventionellen Kultur den Blickwinkel des etablierten Mittelstands erweitern – und selbst vom Know-how ihres Geschäftspartners profitieren. Die IHKs bieten vor Ort viele Foren, wo sich Startups und etablierte Unternehmen kennen lernen und Win-Win-Situationen schaffen können“. Das Demographie Netzwerk sei da ein hilfreicher Kommunikator, so ddn-Geschäftsführerin Martina Schmeink. Auch neue Leitbilder künftiger Arbeit sind auf der Führungsebene aller Unternehmen ein heißes Thema. So mancher hartgesottene Unternehmer alter Schule, für den bisher der alte Hierarchiespruch „nicht geschimpft ist genug gelobt“ galt, muss nun umdenken. Plötzlich soll er face-to-face-Gespräche führen, Mitarbeiter einbinden, nicht von oben herab entscheiden, sondern jung und alt gleichermaßen am Unternehmen und seiner Fortentwicklung partizipieren lassen. Das will gelernt und eingeübt sein.

Das Ziel sind „lernende Organisationen“. Da entsteht vieles, was interessant und nachahmungswürdig erscheint. Und das überall in Deutschland, oft im Stillen, mit Wirkung nur im engsten Umfeld. Dabei sollten sich gerade die Initiatoren solcher Projekte Gehör verschaffen, ihre Erfahrungen mit anderen teilen und von denen lernen. ddn will diesen Austausch forcieren. Auf dem Aktionstag wird zum Beispiel das Unternehmen Janssen Cilag in Neuss sein Silverpreneur Projekt vorstellen. In Dresden wird unter der Überschrift „Vom Handwerker zum Cloudworker“ der Umgang mit zunehmender Digitalisierung bei der Bosch Gruppe erklärt. In Friedrichshafen wird das Bürokonzept der ZF Friedrichshafen AG als Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit in einem Betrieb geschildert.

Gabriele Korge vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation wird sich in München darüber Gedanken machen, wie wir uns in zehn Jahren weiterbilden und für die Arbeit lernen und die neuen Kommunikationswerkzeuge einbauen. Wer beim Innovationstempo mithalten wolle, der dürfe keine Angst mehr zeigen vor dem Neuen wie etwa Hologramm-Systemen. Heute aber sind schon Tools wie Embedded Finanzierungen oder Wareneinkauf durch Finetrading sinnvoll und nicht mehr wegzudenken.

Die IT-affine Carmen Kraushaar entdeckt in diesen Entwicklungen große Vorteile. Der Einsatz dieser neuen digitalen Helfer spare Zeit und Kraft und könnte gerade ältere Mitarbeiter entlasten. Kraushaar: „Wie es geht wissen wir längst. Der demografische Wandel betont den `Wandel`. Und damit sollte schleunigst begonnen werden“.

Jetzt anmelden zum ddn Aktionstag „Arbeitswelt 4.0“ am 20. Oktober 2016 unter www.ddn-aktionstag.de