Gute Schichtarbeit in gesunden Organisationen

10.09.19

Für viele Unternehmen wird es zur Herausforderung motivierte und leistungsfähige Belegschaften trotz Schichtarbeit zu halten. Auch vor dem Hintergrund älter werdender Belegschaften und knapper Fachkräfte ist die Gestaltung der Schichtarbeit eine wichtige Aufgabe in vielen Wirtschaftsbranchen.

Im Projekt „Gute Schichtarbeit in gesunden Organisationen“ (GuSagO), das im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) durchgeführt und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wurde,  werden mit Unternehmen aus Industrie und dem Gesundheitssektor Maßnahmen zur Prävention und zur Bewältigung von Belastungen und Folgeproblemen in der Schichtarbeit entwickelt und erprobt, um die Gesundheit von Beschäftigten in langjähriger Schichtarbeit zu erhalten. Die wissenschaftliche Projektleitung und Koordination liegt beim Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) in Saarbrücken.

Das Projekt setzt an dem Problem vieler Unternehmen an, eine wachsende Zahl von meist älteren Beschäftigten mit Einschränkungen zur Leistung von Schichtarbeit adäquat einzusetzen. Je mehr Mitarbeiter nicht mehr für Schichtarbeit verfügbar sind, desto schwieriger wird der Ersatz durch (noch) „schichttaugliche“ Mitarbeiter, für die in der Konsequenz die Arbeitszeitbelastungen und gesundheitliche Risiken ansteigen.

Das Projekt verfolgt dabei zwei strategische Ziele:

  • Durch präventive Maßnahmen sollen die individuelle Arbeitsfähigkeit in der Schichtarbeit langfristig erhalten und gesundes Arbeiten bis zur Rente ermöglicht werden.
  • Unternehmen und Verwaltungen sollen in die Lage versetzt werden, durch Gestaltungsmaßnahmen die Bedingungen der Schichtarbeit zu verbessern und so langfristig die Leistungsfähigkeit und Arbeitgeber-Attraktivität der Organisation verbessern.

Studie

Arbeiten im Schicht- und Nachtdienst stellt Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen vor Herausforderungen. Ein Schichtplan strukturiert Alltags- und Privatleben und wirkt sich darauf aus. Unternehmen stehen vor der Frage, wie die Arbeitsfähigkeit  von Schichtarbeitenden langfristig erhalten bleibt und wie mit älter werdender Belegschaft ein leistungsfähiger Schichtbetrieb organisierbar ist. Fallstudien aus verschiedenen Branchen verdeutlichen Unterschiede der Schichtarbeit und der Arbeitsbiografien. Manche Menschen arbeiten gesund und motiviert bis zum Renteneintritt im Schichtbetrieb, während andere unter Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität leiden. Unternehmen suchen nach innovativen Konzepten, wie sie Arbeitsfähigkeit und Motivation ihrer Beschäftigten im Schichtbetrieb langfristig erhalten können.

Die Broschüre zur Studie „ Schichtarbeit unter Veränderungsdruck“ können Sie hier bestellen.

Handlungshilfe

Die im Projekt entwickelte Handlungshilfe soll Impulse für „gute Praxis“ geben. Dabei orientiert sie sich an ei­ner prozessbezogenen Perspektive und versucht das Spannungsverhältnis zwi­schen unterschiedlichen Anforderungen, Interessen und Zielsetzungen auszubalancieren. Gute Praxis zeigt beispielsweise EJOT mit dem Gesundheitswochenende für Schichtarbeiter:

Die subjektive Einstellung zur Schichtarbeit wird meist auch durch das familiäre und soziale Umfeld beeinflusst. Wenn die Familie bzw. die Partnerin oder der Partner den Schichtrhythmus und die damit einhergehenden Vereinbarkeitsprobleme akzeptiert, hat das in der Regel positive Auswirkungen auf die Bereitschaft, Schichtarbeit zu leisten. Umgekehrt resultieren viele psychosoziale Belastungen bei Schichtarbeitenden aus Spannungen und Konflikten im privaten und familiären Umfeld, weil dieses wenig Verständnis für die wechselnden und atypischen Arbeitszeiten aufbringt. Dieser soziale Stress kann die Arbeitszufriedenheit beeinträchtigen und ggf. auch den Wunsch nach einem Ausstieg aus dem Schichtbetrieb verstärken.
EJOT (ein spezialisierter Produzent von Verbindungselementen, welcher je nach Auftragslage die Fertigungsbereiche in verschiedenen Schichtsystemen betreibt) hat ein Modul konzipiert, das auf typische Vereinbarkeitsprobleme von Beruf und Familie bei Schichtarbeitenden zugeschnitten ist. Dabei werden Strategien vermittelt, wie Spannungen und Konflikte im privaten Umfeld minimiert werden und wie alltägliche Routinen zu einer besseren Balance von Beruf und Privatleben beitragen können. Das Besondere an dieser Maßnahme ist, dass die Partnerinne und Partner der Schichtbeschäftigten ebenfalls teilnehmen können.
das Modul wird in das bereits erfolgreiche Format „Gesundheitswochenende“ integriert und um weitere Module ergänz, die speziell auf die Bedürfnisse von Schichtbeschäftigten zugeschnitten sind.

Die Handlungshilfe „Schichtarbeit gut gestalten.“ für Praktikerinnen und Praktiker im Betrieb“ können Sie hier herunterladen.

 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: http://www.gute-schichtarbeit.de/