Flüchtlingsintegration erfordert pragmatische und flexible Lösungen

07.12.15

Die Bevölkerung Deutschlands wird immer älter. Mittlerweile hat Deutschland die älteste Bevölkerung Europas, wie die aktuellen Zahlen der Eurostat-Veröffentlichung zeigen. Danach beträgt das Durchschnittsalter der Deutschen 45,6 Jahre gefolgt von Italien (44,7 Jahre), Bulgarien (43,2 Jahre), Portugal (43,1 Jahre) und Griechenland (43,0 Jahre). Die jüngste Bevölkerung der EU lebt in Irland (36,0 Jahre), Zypern (36,8 Jahre), der Slowakei (38,6 Jahre) und in Luxemburg und Polen (jeweils 39,2 Jahre).

Abhilfe könnte die zu uns kommenden Flüchtlinge schaffen, denn diese sind im Durchschnitt jünger. Damit die Rechnung aufgeht, wird es wichtig, die Zuwanderer aktiv in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Grundlage dafür ist eine Qualifikation der Migranten. Darauf weist der ifo-Volkswirt Ludger Wößmann hin. „Wir stochern derzeit im Nebel“, beklagte er sich. „Niemand weiß wirklich, über welche Qualifikationen die Menschen verfügen. Dies ist aber entscheidend für ihre mögliche Integration in den Arbeitsmarkt. Doch nicht einmal die Sprachkenntnisse werden derzeit systematisch untersucht“, sagt Wößmann. Sinnvolle Integrations- und Bildungsmaßnahmen könne man nur bei einer belastbaren Datenlage sinnvoll einleiten, glaubt der Bildungsforscher.

In den vorherigen Flüchtlingswellen hätten rund zwei Drittel der Menschen keinen berufsqualifizierenden Abschluss gehabt; bei Einheimischen seien es nur 14 Prozent, sagt Wößmann. Erschwerend kommt hinzu, dass rund 70 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ihre vor zwei Jahren begonnene Ausbildung abgebrochen haben. Darauf weist die Handwerkskammer für München und Oberbayern hin. Ein langer steiniger Weg liegt noch vor einer erfolgreichen Integration der Migranten. Und dieser Weg erfordere pragmatische und flexible Lösungen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, ist sich Bildungsforscher Wößmann sicher.