Flüchtlinge: Beratung und Information als Brücke zur Ausbildung

11.01.16

Der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland bietet eine Fülle von Chancen, lautet die Überzeugung vieler Wirtschaftsexperten. Hierzu zählt auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau. Ohne Zuwanderung werde es keine Lösung für die Überalterung der deutschen Gesellschaft geben. Schon jetzt mache die demographische Entwicklung Deutschland "zu einem konservativen, statischen und risikoscheuen Land, das droht, in der Bewahrung des Status quo zu erstarren", erklärte Folkerts-Landau gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". 

Rasche Effekte hinsichtlich der Behebung von Fachkräfteengpässen sind indes durch die Flüchtlinge nicht zu erwarten. So hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) beobachtet, dass Flüchtlinge derzeit tendenziell lieber einen Hilfsjob annehmen, als eine Ausbildung zu beginnen. Den Flüchtlingen sei der hohe Stellenwert von beruflicher Ausbildung in Deutschland häufig nicht bewusst, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Mit intensiver Beratung solle dem entgegengewirkt werden. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde in dieser Woche außerdem die App "Ankommen". Sie ist von der BA und weiteren Partnern entwickelt worden,  um Flüchtlingen als Wegbegleiter zur schnellen und umfassenden Orientierung während der ersten Wochen in Deutschland dienen. Ziel ist es, die wichtigsten Informationen zur raschen Integration zur Verfügung zu stellen: Hinweise zu Werten und Leben in Deutschland finden sich dort ebenso wie Informationen zum Asylverfahren sowie zum Weg in Ausbildung und Arbeit.

Schon jetzt haben junge Menschen mit Asylberechtigung oder Flüchtlingsstatus uneingeschränkten Zugang zu Berufsausbildungen. Asylsuchende und Geduldete müssen wiederum einige Besonderheiten beachten: Sofern kein Beschäftigungsverbot vorliegt, können Asylsuchende betriebliche Ausbildungen nach drei Monaten Aufenthalt und Geduldete sofort nach Erteilung des Duldungsstatus eine betriebliche Ausbildung im dualen System beginnen. Ausbildungsinteressierten, die noch nicht voll ausbildungsfähig sind, kann ein Praktikum als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt dienen. Bei dieser sechs bis zwölf Monate dauernden so genannten Einstiegsqualifizierung werden sie auf die Berufsausbildung vorbereitet.  

Ob Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, Förderangebote der Arbeitsagentur oder Good-Practice-Beispiele aus Handwerk und Industrie - eine aktuelle Broschüre  der Charta der Vielfalt verhilft Betrieben zu einer schnellen Orientierung. Zur Broschüre gelangen Sie hier.

Die App "Ankommen" finden Sie hier.