Fit für alle Generationen?

24.04.15

Sind Unternehmen fit für alle Generationen? Unter dieser Fragestellung diskutierten Teilnehmer des ddn-Forums auf dem Demografiekongress in Frankfurt neue Wege der generationenübergreifenden Zusammenarbeit. Moderator und ddn-Arbeitskreisleiter Bengt Krauß fasst den Status quo zu Beginn der Veranstaltung prägnant zusammen: "Es besteht kein Mangel an Literatur zum Thema, Mangel gibt es eher an Beispielen aus der Praxis".

Das sollte der Vortrag von Michael Pfeffer, Geschäftsbereichsleiter Bildung bei der Heinrich Schmid GmbH & Co. KG aus dem schwäbischen Reutlingen ändern. "Wir sind ein Handwerksbetrieb und gleichzeitig ein Produzent von Bildung", sagte Pfeffer selbstbewusst. Wachstumsgrundlage des Spezialisten für Innenausbau, Malerarbeiten und Betonbau sei die Bildung, erklärte der Geschäftsbereichsleiter Bildung den verblüfften Teilnehmern. So sei das Controlling Instrument "Balanced Scorecard" die Basis für die Entwicklung und den Ausbau der Online Meisterschule GmbH gewesen. Der Vorteil für Meisterschüler und Unternehmen: Der Meisterlehrgang kann nebenberuflich besucht werden und es schont die Ressourcen Zeit, Geld und Arbeitskraft. Der Erfolg gibt dem Unternehmen mit heute 4.200 Mitarbeitern an 110 europäischen Standorten recht: Jährlich wächst der Betrieb um fünf Prozent und liegt damit weit über dem Branchendurchschnitt.

Mit 70 Jahren als Dozent in der Online-Meisterschule

Heinz Schühle, der Geschäftsführer a.D. des Unternehmens machte am Beispiel Online-Meisterlehrgang "Betonbauer" deutlich, welchen Stellenwert Bildung für die Heinrich Schmid GmbH & Co. KG hat. Auch er gebe noch mit seinen 70 Jahren als Dozent in den Online-Meisterkursen dem Nachwuchs wichtige Tipps mit auf den Berufsweg. Schühle hat seine Ausbildung 1959 absolviert und kennt sich gut aus im Fach. Bildung halte jung, sagte der Handwerker.

Einen anderen Weg zeigte der zweite Praxisvortrag auf. Manfred Koch, HR Director Germany, der AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG. AbbVie bezeichnet sich selbst als forschendes Bio-Pharmaunternehmen und beschäftigt am Standort Ludwigshafen rund 2.500 Mitarbeiter. "Zurzeit sind 120 Beschäftige über 57 Jahre alt", sagt Koch, "und ihre Zahl steigt an". Für das Pharmaunternehmen bedeute demographischer Wandel nicht die Frontstellung jung gegen alt, sondern alle Altersgruppen sollen sich im Unternehmen wohl fühlen, sagte der Personalchef.

Ideen waren gefragt. Zunächst entwickelten Koch und sein Team eine Demografie-Toolbox, die jeder Führungskraft im hektischen Tagesgeschäft zwischen den Quartalszahlen deutlich machen soll: Das Thema Demografie ist im Unternehmen wichtig und hoch priorisiert. Dann wurde eine Frage drängender: Wie wird das Wissen der älteren Mitarbeiter nach deren Ausscheiden aus dem Arbeitsleben im Unternehmen gehalten? Die Lösung sah Koch im Aufbau des "AbbVie Silver Ager Think Tanks". Dieser Think Tank ist das Webportal für das Unternehmen, auf dem sich die älteren mit den jüngeren Mitarbeitern austauschen. Unterstützung fand Koch bei Marion Kopmann von MasterHora. Mit der gemeinsam entwickelten Expertenbörse sichert AbbVie heute das Unternehmenswissen für morgen - im Online-Netzwerk.

Das ddn-Forum zeigte: Im Umfeld des Demographie Netzwerks mangelt es nicht an guten Ideen.