„Es braucht ein flexibles Rentenalter!“

09.12.21

Auf die Frage, wie Rente in Zukunft finanzierbar bleibt, gibt es seit Jahren nur eine politische Antwort: Erwerbstätige müssen länger arbeiten. Dass die Meisten das weder wollen noch können, einige wenige aber sogar noch länger möchten, zeigt eine Umfrage des Demographie Netzwerks ddn. Vorstand Frank Böhringer erklärt die wichtigsten Ergebnisse und Schlüsse daraus.

 

 

 

Herr Böhringer, Sie haben eine Umfrage zum Renteneintrittsalter und zur finanziellen Absicherung im Alter vorgestellt. Warum sind diese Themen aktuell und wichtig?

Der demografische Wandel führt jetzt schon dazu, dass allen Unternehmen Fachkräfte fehlen. Dieser Missstand wird sich ohne politische Gegensteuerung in den kommenden Jahren – nämlich dann, wenn die Generation der Babyboomer in den Ruhestand geht – zu gravierenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland auswachsen. Doch nicht nur die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist alarmierend. Unser Rentensystem ist auch über kurz oder lang nicht mehr finanzierbar, je stärker der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung im Vergleich zu den Rentner*innen schrumpft. Diese Themen müssen dringend diskutiert werden und gehören auf die politische Agenda. Mit der Umfrage, die wir mit dem Marktforschungsunternehmen Civey durchgeführt haben, liefern wir einen aktuellen Impuls für diese längst überfällige Diskussion.

Welches ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Ergebnis der Umfrage – und warum?

Was ich als starkes Signal aus der Umfrage für Unternehmen sehe: Wenn Arbeit weniger körperlich belastend und stressig und Arbeitszeiten flexibler wären, würden mehr Erwerbstätige länger arbeiten können und wollen. Wenn Unternehmen also diese Hebel nutzen, können sie davon profitieren.

Darüber hinaus sehen wir, dass einerseits zwar die Mehrheit der Erwerbstätigen früher als 67 in Rente gehen will, es andererseits aber auch einen kleinen Prozentsatz gibt, der sich auch noch mit 69 und älter fit genug fühlt und weiterarbeiten will. Der Schluss daraus muss sein, dass es ein flexibles Rentenalter braucht – und dass auch die derzeitigen Altersgrenzen aus einer anderen Perspektive betrachtet werden müssen. Einfach gesagt, kann man nicht erwarten, dass jemand im Handwerk oder in der Pflege genauso lange erwerbstätig bleibt wie beispielsweise Akademiker*innen.

Das heißt, bis wann man arbeiten kann und will, hängt vor allem von der beruflichen Stellung und Qualifikation ab. Wie sieht für Sie eine politische Lösung für dieses Problem aus?

Wir brauchen eine nach Tätigkeit differenzierende Altersgrenze, damit diejenigen, die körperlich schwer schuften, früher in den Genuss des Ruhestands kommen. Gleichermaßen gilt, dass Menschen, die länger arbeiten können und wollen, das auch tun können.

Damit erteilen Sie einer generellen Anhebung des Rentenalters eine klare Absage. Welche alternativen Antworten gibt es aus Ihrer Sicht auf die Herausforderungen des demographischen Wandels? Und welche Rolle spielt dabei das Demographie Netzwerk?

Einfache, pauschale Antworten auf diese strukturellen Veränderungen gibt es nicht. Das Thema adressiert viele Akteure in der Politik, in der Wissenschaft und in Unternehmen. Daher haben wir beim ddn es uns zur Aufgabe gemacht, die Lösungen, die in vielen Unternehmen schon sehr erfolgreich umgesetzt werden, in unserem Netzwerk bekannt zu machen. Zudem bündeln wir in vielen unterschiedlichen Formaten Expert*innen aus unterschiedlichen Branchen, Verbänden, Wissenschaft und Politik, die neue Herangehensweisen und Impulse diskutieren und weiterentwickeln. Dadurch bieten wir eine Plattform, auf der neues Wissen entsteht und geteilt wird – Wissen, das in Unternehmen vor Ort dazu beiträgt, den demographischen Wandel als Chance und als Dynamik zu nutzen und mitzugestalten.

 

 

 

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