Erste Hilfe für die Seele: REWE Group überzeugt mit Demografie Projekt

24.08.16

Die REWE Group Deutschland zieht das große "LoS!" Mit dem gleichnamigen Projekt: "LoS!" zeigt das langjährige Mitglied im ddn wie es vorbildlich und demografiefest die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter in verschiedenen Lebensphasen unterstützt. 2015 war die REWE Group mit ihren lebensnahen "LoS!-Angeboten" Sieger beim Demografie Exzellenz Award in der Kategorie "Mehr als 500 Beschäftigte". Die diesjährige Ausschreibung zum DEA läuft noch bis zum 21. September.

"Lebensphasenorientierte Selbsthilfekompetenz" lautete der sperrige Titel, mit dem die Abteilung für Gesundheitsmanagement im REWE Group Konzern mit dem durch das BMAS geförderte und in Kooperation mit dem IFGP durchgeführten Projekt 2011 an den Start ging. Hinter diesem Wortungetüm stand da "zunächst nur eine Vision, die wir mit Leben füllen wollten", erzählt heute Inger Marie Sandberg, Referentin für Gesundheitsmanagement. 

Die Idee: Wir helfen unseren Mitarbeitern nicht nur, wenn sich jemand während der Arbeit verletzt, oder physisch erkrankt. Wir helfen auch, wenn andere Lebensumstände die REWE Group Angestellten in Bedrängnis bringen. Scheidung, Schulden, Alkohol und Drogenmissbrauch, plötzliche Pflege - überall soll ein Betroffener vertraulich einfach mal drauf los reden können. Gesagt, getan. Aus der lebensphasenorientierten Selbsthilfekompetenz wurde kurz und knapp "LoS!". Stolz erinnert sich Dr. Philipp Merten, Bereichsleiter Holding Personalwesen Konzern: "Wir entwickelten ein Ersthelfer-Programm für diesen seelischen Bereich." 

Ein Erfolgsprodukt. Neben den REWE Märkten gehören unter anderem Penny, toom-Baumärkte und der Reiseveranstalter DER Tour zum Traditionsunternehmen und so kommen rund 230.000 Mitarbeiter deutschlandweit zusammen. Denen stehen bundesweit mit "LoS!" mittlerweile 140 aktive Kollegen - sogenannte LoS! Multiplikatoren - zur Seite, wenn es mal schlecht läuft im Leben. 

Was macht "LoS!" so attraktiv, dass es 2015 den Demografie Exzellenz Award in der Kategorie "Mehr als 500 Beschäftigte" gewann? Inger Marie Sandberg: " Unsere Mitarbeiter sind das Wertvollste und in logischer Konsequenz behandeln wir sie auch so." "LoS!" helfe nicht nur: "Wir hören auch immer wieder, dass die Kollegen seither miteinander sensibler umgehen, sich mehr zuhören und nicht gleich jemanden in die Ecke stellen, weil es mal hapert."

Eine Haltung, der sich ddn und DEA stets verschrieben haben. Best Practice und Erfolgsfaktoren im Gesundheitsmanagement, das demographische Faktoren im Unternehmen in die Kosten-Nutzen-Analysen einbezieht, steht im Arbeitskreis Gesundheit des ddn an erster Stelle. Das "LoS!-Projekt", so Sandberg, diene darüber hinaus der Nachhaltigkeit von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. "Vorbildlich", meint deshalb auch ddn Vorsitzender Rudolf Kast. Es sei das Anliegen des Demographie Netzwerkes, herausragende Mitarbeiterführung vorzustellen. So könne jeder etwas für seinen Betrieb lernen oder herauspicken.

"LoS!" Multiplikatorin Isabel Müller erlebt immer wieder: "Oft kommt einer völlig niedergeschlagen und geht mit einem Lächeln. Endlich konnte er mal seine Sorgen erzählen und wir geben ihm Tipps zur Lösung mit." So konnte einem jungen Mitarbeiter, der vor der Scheidung stand, mit dem Hinweis auf eine Mediation geholfen worden. Die Ehe hält immer noch. Der wiedervereinte Ehemann wird jetzt bald Papa: "Wir merken durch solche Hilfe einfach, dass wir wertgeschätzt werden." Kein Wunder, dass REWE Group Mitarbeiter treu sind und auf 30 jährige und mehr Betriebszugehörigkeit zurückschauen. 

Manchmal werden die Mitarbeiter auch außerhalb der Arbeitszeit angerufen. Das gehört halt dazu. Dann arbeitet "LoS!" eng mit den örtlichen Krisennotdiensten zusammen. Eine win-win Situation für alle. So konnte man jüngst einer jungen Mitarbeiterin helfen, die nicht mehr ein noch aus wusste und über Selbstmord nachdachte. 

"LoS!" arbeitet auf drei Ebenen. Mitmachen kann jeder, der Zeit für ein solchen Ehrenamt hat. Und entsprechend werden die freiwilligen "LoS!"- Helfer in ein- oder zweitägigen Seminaren auch ausgebildet. Die Seminarziele:

• erkennen, wie kritisch die Lebensereignisse sind, sich mit dem Betroffenen der Dimension bewusst werden und entsprechende Zahlen, Daten, Fakten zusammentragen, um zu strukturieren. 

• eine einfache, niedrigschwellige Gesprächsführung - vertraulich und angstnehmend. Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

• eigene Grenzen erkennen und an Experten wie zum Beispiel Psychologen oder Eheberater weiterreichen können. 

Im Schnitt hat jeder "Los!" Mitarbeiter zwei Fälle im Monat. Sie arbeiten eng mit den offiziellen Stellen zusammen- Betriebsrat, Schwerbehindertenberatung, Drogenberatung usw. Dahin trauen die Hilfesuchende sich oft zunächst nicht. Gegenseitige Tipps geben die Multiplikatoren sich zweimal jährlich bei einem Erfahrungsaustauschtreffen. 

Das Interesse an dem neuen Angebot im REWE Group Konzern steigt stetig. Sandberg: "Wir setzen so unseren genossenschaftlichen Grundgedanken um." Das sei, so findet sie, für ein Handelsunternehmen schon sehr mutig. Und durch die Verleihung des DEA-Preises habe dieses erfolgreiche Selbsthilfeprojekt noch einmal zusätzliche Beachtung gefunden.

Für herausragende Mitarbeiterbindung wurde REWE Group- Vorstandsvorsitzender Alain Caparros dieses Jahr sogar zum beliebtesten Manager Deutschlands gewählt. Dafür hat "LoS!" sicher einen Beitrag geliefert.

In Ihrem Unternehmen gibt es ebenfalls praxisbewährte Ideen, mit denen Sie auf den demographischen Wandel reagieren? Dann machen Sie mit beim Demografie Exzellenz Award.