ddn-Zukunftswerkstatt „Wirtschaft und Kommune im Wandel“

24.10.15

Ob in ländlichen Regionen oder in Großstädten: im Wettbewerb um Fachkräfte sind neue Ansätze des Mobilitätsmanagements erforderlich. Die besten Ergebnisse werden dabei erzielt, wenn Wirtschaft und Kommunen Hand in Hand arbeiten. Diese Erkenntnis stand am Ende der 5. Zukunftswerkstatt des Demographie Netzwerks e.V. (ddn) am 22. Oktober in Erfurt. Mehr als 50 Teilnehmer, darunter Bundesministerin a.D. Prof. Dr. Ursula Lehr, kamen hierzu in das Kulturzentrum Haus Dacheröden.

Die Wahl des Veranstaltungsortes fiel dabei bewusst auf die thüringische Landeshauptstadt. Um die Mobilität zu optimieren, hat die Erfurter Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren ein wegweisendes Pilotprojekt in die Tat umgesetzt. Mittels Workshops, Beratungen sowie Analysen wurden den Beschäftigten ansässiger Unternehmen neue Möglichkeiten aufgezeigt, zwischen Wohn- und Arbeitsort zu pendeln. Kostensenkung, Zeitgewinn und Umweltfreundlichkeit waren dabei die maßgeblichen Zielgrößen. 

Ein Unternehmen, das mit Erfolg an dem Pilotprojekt teilnahm, ist das Logistikzentrum des Handelsunternehmens Zalando in Erfurt. "34 Prozent aller Thüringer haben jetzt die Möglichkeit, unser Erfurter Logistikzentrum zu den Schichtzeiten zu erreichen - das ist ein wichtiger Schritt zur Fachkräftesicherung", bezifferte Standortleiter Daniel Behlert auf der ddn-Zukunftswerkstatt eines der Projektergebnisse. Vorausgegangen waren vielfältige Maßnahmen, die in Kooperation mit der Erfurter Stadtverwaltung geplant und umgesetzt wurden. Sie reichen von einer optimierten Schichtplangestaltung und besseren ÖPNV-Anbindung des Unternehmens bis zur Einführung eines betrieblichen Car-Sharing Programms und eines subventionierten Jobtickets.

Im Kontrast zu den Erfurter Verkehrsverhältnissen steht die Mobilität der Bürger des hessischen Odenwaldkreises. "Nicht nur für ÖPNV-Pendler, auch für ältere Menschen ohne eigenes Auto ist die Mobilität in unserer Region stark eingeschränkt", informierte Peter Krämer von der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH. Die lokale Nahverkehrsgesellschaft legte daher ein deutschlandweit beachtetes Konzept zu einer "Mobilitätsgarantie" auf und arbeitet derzeit an der Umsetzung. Ziel ist es, unter Einbindung privater wie gewerblicher Mitnahmeanbieter ein softwaregestütztes Mobilitätsangebot auf die Beine zu stellen und die Lebensqualität in den ländlichen Gemeinden wieder zu erhöhen. 

Dass die enge Kooperation zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand auch für den Arbeitsmarkt ein Erfolgsmodell darstellt, verdeutlichte der ddn-Vorsitzende Rudolf Kast am Beispiel der Wabe gGmbh aus dem baden-württembergischen Waldkirch. Die gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft ermöglicht in Kooperation mit 20 örtlichen Betrieben und der Stadt Waldkirch seit 2007 eine Verbundausbildung für schwer vermittelbare Jugendliche.

Ihren Abschluss fand die Zukunftswerkstatt in einer Podiumsdiskussion, die von Prof. Dr. Thomas Klie, Leiter des ddn-Arbeitskreises "Wirtschaft und Kommune", moderiert wurde. Der ddn Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast, Zalando Standortleiter Daniel Behlert, Wolfgang Jentz, Leiter der Erfurter Wirtschaftsförderung und Peter Krämer von der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH diskutierten unter anderem darüber, wie es im demographischen Wandel gelingen kann, Metropolen und umliegende ländliche Räume zeitgleich auf einen guten Weg zu führen. Als Lösung betrachten die Diskutanten ganzheitliche Planungsansätze und eine neue Kultur der Kooperation, bei der Arbeit und Mobilität in ihrer Wechselwirkung betrachtet werden. 

Dass das Demographie Netzwerk hierfür ein zielführendes Forum bieten kann, zeigte die Zusammensetzung der an der Veranstaltung beteiligten Partner. So entstand die 5. ddn Zukunftswerkstatt im Zusammenwirken mit dem Thüringer Netzwerk Demografie, der Stadt Erfurt und dem Institut der Wirtschaft Thüringens.