ddn stärkt die Metropolregion Rhein-Neckar

04.06.10

Auch im Rhein-Neckar-Gebiet wollen die Unternehmen das Thema Demographie gemeinsam angehen. 

Bernhard Rettler, Personalleiter bei der BK Giulini GmbH und Initiator des ddn Metropolregion Rhein-Neckar, berichtet im Interview über die regionale Netzwerkgründung. 

Erfahren Sie mehr über seine ganz persönlichen Motive, die Probleme in der Region und seine Strategie zur Etablierung eines regionalen Demographie-Netzwerkes.

1. Herr Rettler, warum sind Sie Mitglied im ddn?

Nachdem ich vor etwas mehr als einem halben Jahr recherchiert habe, welche Netzwerke und Erfahrungsgruppen es zum Thema demographische Entwicklung in Deutschland gibt, bin ich auf ddn gestossen - dem einzigen überregionalen Unternehmensnetzwerk zu diesem Thema. In der Chemieindustrie waren wir dabei, einen Tarifvertrag umzusetzen, den wir demographiegerecht gestalten wollten. 
Beim ddn hat mich überzeugt, dass Experten namhafter Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen in Arbeitsgruppen und regionalen Netzwerken zur Verfügung stellen. 
Die Zielsetzung des ddn und die Einbindung in weitere Expertennetzwerke waren weitere wichtige Argumente für den ddn-Beitritt. 

2. Im Februar 2010 haben Sie begonnen, ein regionales Netzwerk für die Metropolregion Rhein-Neckar anzustossen. Warum ist Ihnen das wichtig?

Weil in der Metropolregion Rhein-Neckar eine Vielzahl von Unternehmen beheimatet sind und ich vermute, es geht auch vielen anderen wie mir, die nach Beispielen erfolgreicher Umsetzung von Maßnahmen zur Minderung der Folgen ungünstiger demographischer Entwicklung suchen. 
Regionale Netzwerke in Ergänzung zu den bundesweiten Facharbeitskreisen im ddn haben den Vorteil, dass die kurzen Wege die Interessierten eher motivieren, persönlich zu einem Netzwerktreffen zu erscheinen. 
Außerdem hat jede Region wohl ihr eigenen Probleme und Chancen. Ein regionales Netzwerk bietet viel eher die Möglichkeit diese regionalspezifischen Herausforderungen mit Unternehmen und Interessierten direkt vor Ort anzupacken. 

3. Welche regionalspezifischen Probleme sprechen Sie damit für Rhein-Neckar an?

Für die Metropolregion Rhein-Neckar wird für die nächsten Jahre, im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in Deutschland, wahrscheinlich eine Stagnation oder sogar eine leichte Zunahme der Bevölkerung prognostiziert. Trotzdem ist auch die Metropolregion Rhein-Neckar vom demographischen Wandel bereits heute sehr stark betroffen. Die Zahl der unter 20-Jährigen nahm allein in den letzten sieben Jahren um über fünf Prozent ab.
Schon durch die Universitäten in Heidelberg und Mannheim sollten wir erwarten, viele junge Menschen in die Region locken zu können. Das ist eine große Chance, wenn es uns gelingt, diese gut ausgebildeten Menschen auch in der Region zu halten. Das heißt unter anderem, dass kleine und mittelständische Arbeitgeber attraktiv bleiben müssen um Personal zu gewinnen und dann auch zu halten, indem sie beispielsweise Fördermöglichkeiten kennen und anbieten.
Bedeutender als die Stagnation der Bevölkerung für die Metropolregion Rhein-Neckar insgesamt ist aber auch hier die sich fortsetzende Alterung. Auch unsere Arbeitnehmer werden, wie fast überall, immer älter. So spielt das Thema übetriebliches Gesundheitsmanagement" natürlich für uns eine bedeutende Rolle. Wir müssen uns gemeinsam noch mehr mit der Frage auseinandersetzen wie wir gesundheitsbewusstes Verhalten bei Mitarbeitern fördern können. Welche Angebote wir nutzen können. Wie wir voneinander lernen können.

4. Wie ist der aktuelle Stand? Wo setzen Sie an?

Wir haben das große Glück, dass ddn Metropolregion Rhein-Neckar schon gewachsene Strukturen vorfindet. Das regionale Netzwerk kann auf den Themenkreis Demographie der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH (MRN GmbH) aufsetzen. Der Verband Metropolregion Rhein-Neckar hat bereits eine Regionalstrategie entwickelt. Die Initiatoren verfolgen das Ziel, die Akteure, Netzwerke und Aktivitäten in der Metropolregion Rhein-Neckar mit Blick auf den demographischen Wandel und die daraus resultierenden Entwicklungen zu vernetzen. So möchten sie dazu beitragen, die Metropolregion zu einer der attraktivsten und wettbewerbsfähigsten Regionen Europas zu machen. 
Diese Strategie wendet sich aber nicht in erster Linie an die Betriebe und Unternehmen vor Ort. Das wollen wir mit dem regionalen Netzwerk ändern: gezielt die Unternehmen ansprechen und so eine intensive Vernetzung mit laufenden Projekten erreichen. 

5. Wie sieht Ihre Strategie für die Zukunft aus? Wie wollen Sie das regionale Netzwerk ausbauen?

In einem ersten Schritt setzt ddn Metropolregion Rhein-Neckar zunächst auf eine Stärkung der Netzwerkbasis. Das heißt wir nutzen die interessierten und motivierten Unternehmen, die beim Startschuss im Februar dabei waren oder ihr Interesse ausgesprochen haben, zunächst einmal als Multiplikatoren, um weitere Teilnehmer auf einer persönlichen Ebene anzusprechen.
In einem zweiten Schritt planen wir dann eine Clusterstrategie: Großunternehmen und Mittelstand werden in eigenen Clustern Synergien entwickeln. Wissenschaftliche sowie öffentlichen Einrichtungen und Non Profit Unternehmen sollen beide Cluster ergänzen. Innerhalb der Cluster soll eine Verbreitung und ein intensiver Austausch von, beispielsweise Good-Practices, ermöglicht werden. Auf den Punkt gebracht schaffen wir so die Basis, um unsere Zielgruppen optimal voneinander lernen zu lassen.