ddn auf der „didacta“: Personalentwicklung statt Rollatorenvorbereitung

22.02.16

Weniger Erwerbstätige – gleiche Wirtschaftsleistung? Eine solche Gleichung ist bei einer schrumpfenden und zugleich alternden Bevölkerung nur möglich, wenn die Produktivität steigt. Die Schlüssel dafür sind Bildung und lebenslanges Lernen. Für diesen Zusammenhang sensibilisierte Das Demographie Netzwerk am 18. Februar mit einem Vortragsprogramm im Zusammenwirken mit dem Didacta Verband der Bildungswirtschaft auf der Bildungsmesse didacta in Köln. Dass der Trend zur vernetzten Industrie 4.0 ganz besondere Anforderungen an Aus- und Weiterbildung stellt, machte Prof. Dr. Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in seinem Eröffnungsvortrag deutlich. „Alles, was automatisiert und digitalisiert werden kann, wird auch so kommen. Im Ergebnis verschiebt sich das Qualifizierungsniveau nach oben“, sagte der Wissenschaftler. Um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden, gelte es genau jetzt, die Beschäftigten zu qualifizieren.

Lebenslanges Lernen ist jedoch nicht die einzige Quelle von Produktivitätssteigerungen. So zeigte der wissenschaftliche ddn-Beirat Prof. Dr. Joachim Fischer auf, dass die subjektive Gesundheit einer der zentralen Treiber für die Leistungsfähigkeit sei. Diese wiederum speise sich wesentlich aus Freude und Sinnstiftung bei der täglichen Arbeit, unterstützt durch gute Führung als Motivationsverstärker. Mehr über die unterschiedlichen Motivationsprofile älterer und jüngerer Beschäftigter erfuhren die Besucher des Vortragsprogramms von Prof. Dr. Christian Stamov-Roßnagel. „Ältere sind nicht weniger, sondern anders motiviert“, führte der Wissenschaftler von der Jacobs University Bremen aus. So wachse im Alter die Bedeutung positiver sozialer Kontakte am Arbeitsplatz – eine Erkenntnis, die Personalverantwortliche berücksichtigen sollten. Die Brücke zu einem zeitgemäßen Fachkräfte-Recruiting im demographischen Wandel schlug Prof. Dr. Uwe Genz. Der Präsident des Dachverbands der Weiterbildungsorganisationen forderte mehr Möglichkeiten zu beruflichen Quereinstiegen. Voraussetzungen hierfür seien jedoch Instrumente, die in Europa auch solche Kenntnisse und Erfahrungen vergleichbar machen, die außerhalb von Schulen und Hochschulen erworben wurden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung der Wirtschaftsjournalistin Margaret Heckel rückte die Frage in den Mittelpunkt, welche Rolle die Älteren in der künftigen Arbeitswelt spielen.  Einig waren sich die Diskutanten darin, dass das negative Altersbild in Europa endlich überwunden werden müsse. „Wir brauchen wertschätzende Entwicklungsprogramme für erfahrene Mitarbeiter – keine diskriminierenden Rollatorenvorbereitungs-Maßnahmen“, brachte es Dr. Frank Zils, Director Human Resources bei der Janssen Cilag GmbH auf den Punkt. Loring Sittler, Leiter des Generali Zukunftsfonds, warb in der Diskussion dafür, Ältere darin zu bestärken, länger zu arbeiten: „Die Regelarbeitsgrenze hat sich überholt“.  Die Jüngeren in der Debatte nicht zu vergessen, war ein Anliegen von Marion Kopmann, Geschäftsführerin der Silberrücken GmbH. Sie unterstrich: „Die Mischung macht´s: Ältere können in altersübergreifenden Teams durchaus von den Jüngeren lernen“.

Wie lebenslanges Lernen in der Praxis gestaltet werden kann, hat das Demographie Netzwerk in einem Fachbuch zusammengefasst. Unter dem Titel „Lust am Lernen – ein Leben lang“ versammelt ddn Analysen und Erfolgsbeispiele aus der Unternehmenspraxis. Zum Buch gelangen Sie hier.