Das Demographie Netzwerk beklagt digitalen Bildungsnotstand

26.03.15

Das Demographie Netzwerk e.V. (ddn) zieht ein kritisches Fazit zur digitalen Bildung in Deutschland. „Zu dem Thema sind alle relevanten Fakten publiziert, es passiert nur nichts“, bilanziert Prof. Dr. Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Der Wissenschaftler sprach auf der ddn-Mitgliederversammlung am 24. März 2015 in Köln zu ddn-Mitgliedern. Das World Wide Web - 1989 erfunden - habe die Welt verändert, deutsche Bildungseinrichtungen aber vielfach ausgespart.

Während Lehrer für ihre Unterrichtsvorbereitung hauptsächlich Google oder textlastige Internetseiten nutzen, würden Schüler Youtube-Videos präferieren. „Das sind komplett unterschiedliche Kanäle und Rezeptionswege“, sagt der Forscher. Igel und der ddn Vorstand fordern daher eine adäquate Ausstattung mit zeitgemäßer Technologie. Dass in manchen Schulen 3.500 Schülern nur ein IT-Lehrer gegenüberstehe, sei kein Einzelfall, informierte der Wissenschaftler. Noch mehr als die schlechte Infrastruktur bekümmern Igel und den ddn Vorstand die ablehnende Haltung der Lehrer, IT zu nutzen und zeitgemäßes Fachwissen weiter zu geben. Im internationalen Vergleich belege Deutschland nur einen mittleren Platz.  

An Brisanz gewinnt die mäßige Kompetenz der Schüler durch aktuelle technologische Umwälzungen, die mit dem Begriff Industrie 4.0 beschrieben werden. Im Jahre 2020 werden 50 Milliarden Computer über das Internet vernetzt sein. „Diese intelligenten, cyberphysischen Systeme verändern die Welt dramatisch“, unterstreicht Igel.  

„Digitale Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, die auch für KMU immer wichtiger wird, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Um das Thema voranzubringen, haben wir eine enge Kooperation mit dem DFKI vereinbart“, sagte der ddn- Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast auf der Mitgliederversammlung in Köln. Gegenstand der Zusammenarbeit seien unter anderem gemeinsame Veranstaltungen und die Veröffentlichung von Positionspapieren. 

Die Zukunft des ddn hatte ein IT-gestützter Workshop im Blick, bei dem die ddn- Mitglieder auf der Mitgliederversammlung künftige Arbeitsschwerpunkte vorschlagen, priorisieren und bewerten konnten. Mit einem Sondernewsletter informiert der Verein in der kommenden Woche über die Ergebnisse.