Alte Chefs bremsen Modernisierung

30.04.15

Mittelständische Unternehmenslenker werden immer älter - eine Entwicklung, die mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands gefährdet, wie die Förderbank KfW in ihrer jüngsten Studie warnt. 

"Die Alterung im Mittelstand findet im Zeitraffer statt", betonte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt. So seien inzwischen die Inhaber von 1,3 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) 55 Jahre oder älter. Betroffen seien damit 36 Prozent aller KMU, ihr Anteil sei damit seit 2002 um 16 Prozent gestiegen. 

Dieser rasante Alterungsprozess habe erhebliche Folgen. Denn Unternehmenschefs ziehen sich mit steigendem Alter aus Investitionen zurück, so das Ergebnis der KfW-Studie. Zudem lasse die Innovationstätigkeit nach. Ältere Firmenchefs investierten fast nur noch in die Pflege des Kapitalstocks und kaum noch in die Kapazitätserweiterung. Dadurch sinke mit der Zeit der Wert des Unternehmens. "Je älter der Inhaber, desto wahrscheinlicher ist ein Substanzverlust", schreibt KfW-Expertin Juliana Gerstenberger in der Analyse.

Unternehmen und Arbeitsplätze in Gefahr 

Die Alterung im Mittelstand bremse die Modernisierung und gefährde damit den künftigen Geschäftserfolg. "Je länger die Phase der Zurückhaltung dauert, desto stärker sinken möglicherweise die Ertragskraft und die Wettbewerbsfähigkeit", sagt Gerstenberger. "Der Fortbestand des Unternehmens sowie die daran gekoppelten Arbeitsplätze wären schlimmstenfalls gefährdet." 

Laut der KfW-Studie planen bis 2017 die Chefs von rund 580.000 mittelständischen Firmen aus Altersgründen die Übergabe oder den Verkauf ihres Unternehmens an einen Nachfolger. "Das ist jeder sechste Mittelständler in Deutschland. Etwa vier Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab", verdeutlichte KfW-Chefvolkswirt Zeuner. Das Problem: Nur wenige Jungunternehmer rücken nach. So sank die Zahl der Existenzgründer von jährlich rund 1,5 Millionen im Jahr 2001 auf knapp 900.000 im Jahr 2013.

Für Zeuner ist die gesamte Entwicklung alarmierend. "Der demografische Wandel wird die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands mittelfristig stark beeinflussen", warnte der KfW-Chefvolkswirt. 

Hier die wichtigsten Punkte der Studie im pdf-Format.