1. ddn Think Tank in Berlin - Wie ist das Gesetz entstanden? Interessanter Blick hinter die Kulissen

Was von der neuen Betriebsrente zu erwarten ist

1. ddn Think Tank in Berlin - Wie ist das Gesetz entstanden? Interessanter Blick hinter die Kulissen

Der Name ist ein Wortungetüm, doch der Inhalt hat es in sich: Das "Betriebsrentenstärkungsgesetz" (BSRG) bringt sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer eine ganze Reihe von interessanten Änderungen. Wie es entstanden ist und welche Auswirkungen es haben wird, war Thema des ersten ddn Think Tanks in Berlin. Das neue Gesprächsforum für ddn-Fördermitglieder bietet Gelegenheit zum exklusiven Austausch mit hochkarätigen Referenten und Entscheidungsträgern aus Ministerien, der Wissenschaft und Unternehmen.


Zum Auftakt hatte der ddn-Vorsitzende Rudolf Kast mit Peter Görgen den Mann eingeladen, der im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) das neue Gesetz entscheidend vorangetrieben hat. Extra aus München angereist ist Professor Axel Börsch-Supan vom Munich Institute of Aging, der vielen in Deutschland als der "Renten-Papst" gilt. Weil der Kreis der Teilnehmer zudem auf rund zwei Dutzend beschränkt war, konnte in der Runde offen diskutiert werden.


Ddn-Vorstand Michael Hennig führte in die Thematik ein. Noch immer würden nur relativ wenig Angestellte die Möglichkeit der Entgeltumwandlung für die Altersvorsorge nutzen. Auch sei die Zahl der Riester-Verträge seit 2005 kaum mehr gewachsen. Das neue Gesetz sei insofern innovativ, als dass die bisherige Arbeitgeberhaftung aufgegeben werden: Mit dem so genannten "pay and forget" könnten Firmen künftig ihren Mitarbeitern Betriebsrenten anbieten, ohne dafür in ihren Bilanzen vorsorgen zu müssen.


BMAS-Experte Görgen berichtete, dass das neue Gesetz für Geringverdiener attraktive Förderung verspricht: Erstere können betrieblich vorsorgen, ohne selbst etwas einzahlen zu müssen. Ihr Arbeitgeber kann ihnen bis zu 480 Euro im Jahr zahlen und bekommt dazu 144 Euro vom Staat als Zuschuss. Um die Verwaltung möglichst einfach zu gestalten, kann er sich über das so genannte Sozialpartnermodell einer bereits existierenden Versorgungskasse anschließen. 

Für Normal- und Gutverdiener hält das Gesetz eine Verdoppelung der steuerfreien Zahlungen an eine Versorgungseinrichtung (arbeitgeberfinanziert oder über eine Entgeltumwandlung) von vier auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze bereit (also von ca. 3.000 auf künftig ca. 6.000 Euro).


Für den Renten-Experten Börsch-Supan ist das größte Problem bei der Altersvorsorge nach wie vor die Informationsmängel in der Bevölkerung: 30 Prozent der Haushalte glauben, sie seien im Alter auf Grundsicherung angewiesen. Das aber sei Unsinn: Selbst im schlechtesten Fall würde sich die Altersarmut in Deutschland von derzeit drei auf maximal sechs Prozent der Bevölkerung verdoppeln - und das bei einer derzeitigen Kinder- und Jugendarmutsquote von neun Prozent. Auch machte er deutlich, dass trotz der Senkung des Rentenniveaus von einem halben Prozent pro Jahr die tatsächliche Kaufkraft der Renten in den nächsten 30 Jahren um 1,5 Prozent jährlich steigen wird. Obwohl künftige Rentner prozentual also weniger bekommen, können sie sich dennoch mehr leisten als jetzige Rentner.
Erschreckenderweise sei die Unwissenheit bei der betrieblichen Altersvorsorge ähnlich groß. Und dies nicht nur auf der Arbeitnehmer-, sondern auch auf der Arbeitgeberseite, konstatiert Börsch-Supan. Hilfreich wäre es, einen Markt für einfach zu verstehende Standardprodukte zu schaffen, die im Wettbewerb zu den derzeitigen Produkten stehen und daher Druck auf andere Anbieter ausüben, ihre Produkte transparenter zu gestalten.


So bot der Abend eine Vielzahl überraschender Ein- und Ansichten, die in der anschließenden Diskussion vertieft wurden. Um dafür eine besondere Atmosphäre zu schaffen, fand der ddn think tank in dem denkmalgeschützten Berliner Hotel "Das Stue" statt, das auch für seine ausgezeichnete Küche bekannt ist. Die Resonanz der Teilnehmer war einhellig: Das Format wird fortgesetzt - und neue ddn-Fördermitglieder sind herzlich willkommen.

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