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Pflegekräfte dringend gesucht

Mönchengladbach Demografie-Netzwerk tagt bei der Mönchengladbacher Sozial-Holding.

Die Zahlen sind alarmierend: Bis 2030 fehlen 500.000 Pflegekräfte in der Langzeitpflege in Deutschland. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Gesellschaft wird älter, die Arbeit in der Pflege aber gilt als eher weniger attraktiv. Dabei ist die Sozialwirtschaft, zu der der Pflegesektor gehört, nicht nur menschlich wichtig, sondern auch ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. "Elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden in der Sozialwirtschaft erwirtschaftet", sagt der Freiburger Professor Berthold Dietz, Leiter des Arbeitskreises Sozialwirtschaft des Demografie-Netzwerks, der jetzt bei der Sozial-Holding in Mönchengladbach tagte.

Das Demografie-Netzwerk (ddn) gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. "450 Unternehmen stellen sich darin den Fragen des demografischen Wandels und des sich daraus ergebenden Fachkräftemangels", erläutert Thomas Klie, Professor und Sozialforscher aus Freiburg, die Aufgabenstellung des Netzwerks. Ein Bereich wurde aber lange vernachlässigt: die Sozialwirtschaft. Dabei ist die Bedeutung des Bereichs nicht zu unterschätzen, auch in Mönchengladbach nicht. "17,2 Prozent der Arbeitnehmer unserer Stadt arbeiten in der Gesundheits- und Pflegebranche", erklärt der Chef der Sozial-Holding, Helmut Wallrafen. Aber gerade in diesem wichtigen Bereich ist der Fachkräftemangel absehbar. Gegensteuern ist angesagt.

Deshalb hat der Arbeitskreis Sozialwirtschaft des ddn einen 14-Punkte-Plan entwickelt, an den in Mönchengladbach jetzt letzte Hand angelegt wurde. Am 20. März werden die sogenannten Schlüsselfaktoren erfolgreicher Personalgewinnung in der Langzeitpflege Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Berlin präsentiert. "In der Pflege müssen die Voraussetzungen für gute Arbeit geschaffen werden", sagt Sozialforscher Klie und lobt die Mönchengladbacher Sozial-Holding, bei der vieles von dem, was der Arbeitskreis als bedeutsam für die Gewinnung von Fachkräften identifiziert hat, schon gelebt wird - etwa das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Und was brauchen Pflegekräfte noch, um zufrieden mit ihrem Job zu sein? "Verlässliche Dienstpläne zum Beispiel", erklärt Klie. "Die Mitarbeiter müssen nicht immer damit rechnen müssen, in Krankheitsfällen plötzlich einzuspringen." Eine planbare Freizeit und Zeit mit der Familie seien von großer Bedeutung. Oder auch eine existenzsichernde Vergütung. Dabei sei der Tariflohn nicht das eigentliche Problem, sondern die Teilzeit, durch die die unteren Lohngruppen in prekäre Lebenslagen rutschten.

Schon jetzt ist die Pflegebranche durch Zuwanderer geprägt. "Von unseren 910 Mitarbeitern kommen 89 aus insgesamt 26 Ländern", sagt Wallrafen.

Von Angela Rietdorf

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