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ddn-Diskurs zur Arbeitsfähigkeit: Führungskräfte stärker für die Gesundheit der Beschäftigten sensibilisieren

Der Fachkräftemangel und die Alterung der Belegschaften lassen eine Frage immer stärker in den Mittelpunkt rücken: Wie kann die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen mindestens bis zum Renteneintritt erhalten werden? Ideen dazu gab am 17. und 18. Mai ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Diskurs, zu dem der ddn-Arbeitskreis „Arbeitsorganisation und – gestaltung“ nach Essen eingeladen hatte. Den Rahmen dafür bot das ddn-Mitgliedsunternehmen RWE AG.

Deutlich wurde: Arbeitsfähigkeit ist kein abstrakter Begriff, sondern die Summe von Faktoren, die eine Person in einer bestimmten Situation in die Lage versetzen, eine gestellte Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. Die Arbeitsfähigkeit des Einzelnen trägt dabei wesentlich zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe bei. Wie Arbeitskreis-Leiter Dietrich Bartelt herausstellte, werde dies von Personalverantwortlichen häufig unterschätzt. „Der nachhaltige Unternehmenserfolg ist vom nachhaltigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter abhängig – dies erfordert, Menschen wieder stärker als Menschen und nicht nur als Arbeitskräfte zu betrachten“, erläuterte Bartelt.

Dass sich das Engagement für eine bessere Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten ökonomisch auszahlt, veranschaulichte ddn-Beiratsmitglied Prof. Juhani Ilmarinen: „Unternehmen profitieren neben einem niedrigeren Krankenstand und einem geringeren Arbeitsunfähigkeitsrisiko in der Belegschaft auch von besserer Qualität und Produktivität der Arbeit. Hinzu kommt die Prävention von Frühverrentung und ein positives Image als Arbeitgeber“, bilanzierte Ilmarinen, der mit seinem Modell vom „Haus der Arbeitsfähigkeit“ zugleich die verschiedenen Ansatzpunkte für eine verbesserte Arbeitsfähigkeit aufzeigte. Dass auch die Teilhabe am Erwerbsleben und die Arbeitsfähigkeit zusammenhängen, verdeutlichte Michael Bellwinkel vom BKK Bundesverband. Der Gesundheitszustand und damit die Beschäftigungsfähigkeit verschlechterten sich mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit, so dass die erfolgreiche Rückkehr in die Erwerbstätigkeit erschwert würde.

Den Blick für konkrete Stellschrauben im Unternehmen schärften neben Juhani Ilmarinen und Michael Bellwinkel auch Prof. Hans-Peter Musahl von der Universität Duisburg-Essen, Prof. Gerald Hüther von der Universität Göttingen, Maria Schmidt von InCaS sowie Uwe Genz vom Dachverband der Weiterbildungsorganisationen. Deutlich zum Ausdruck kam dabei immer wieder die Notwendigkeit einer systematischen Weiterbildung der Führungskräfte zum Thema Arbeitsfähigkeit. „Führungskräfte, die von ihren Mitarbeitern als kompetent, wertschätzend und ethisch handelnd erlebt werden, genießen ein hohes Vertrauen der Beschäftigten. Dieses Vertrauen in der Zusammenarbeit steht wiederum in direktem Zusammenhang mit der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit“, sensibilisierte Bartelt auf Grundlage eigener Untersuchungsergebnisse dafür, Führungsverhalten stärker zu reflektieren.

Fehlerfreundliche Unternehmenskulturen, eine regelmäßige risikofreie Kommunikation zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten oder der Einsatz des Work Ability Indexes (WAI) wurden als weitere wichtige Faktoren herausgearbeitet, um die Arbeitsfähigkeit zielgerichtet zu erhalten. In der Umsetzung der Bausteine erweise es sich als förderlich, statt nach dem allumfassenden Entwurf zu suchen, vielmehr mit ersten kleinen Schritten und Pilotprojekten zu beginnen.

Wie solche Pilotprojekte als Antwort auf den demographischen Wandel aussehen könnten wurde am zweiten Veranstaltungstag mit der systemischen Prozessbegleiterin Barbara Gronauer erarbeitet. ddn-Mitglieder tauschten sich dabei auf Grundlage der World-Café-Methode aus und entwickelten gemeinsam Ideen. „Die Veranstaltung hat meine Erwartungen klar übertroffen. Es ist sehr deutlich geworden, welche Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit einzahlen, wie der Work Ability Index genutzt werden kann und welche Handlungsmöglichkeiten es für Unternehmen gibt“, zog ddn-Mitglied Herrmann-Josef Schmitt, Leiter des Funktionsbereichs Personal und Grundsatzfragen bei der REWE Group, ein positives Fazit.

Das Thema Arbeitsfähigkeit wird den ddn-Arbeitskreis „Arbeitsorganisation und –gestaltung“ auch weiterhin begleiten: „Die Kenntnis über Wirkungszusammenhänge werden wir weiter verfeinern und entlang vieler Best-Practice-Beispiele Inspirationen für die Arbeit im eigenen Unternehmen sammeln“, so Dietrich Bartelt.