Grüne Transformation und demografischer Wandel

In der Panel-Runde der hybriden ddn-Mitgliederversammlung 2022 diskutierten Zukunftsforscher Peter Spiegel, Prof. Dr. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dr. Gunilla Fincke vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und Martina Schmeink, ddn, den Fachkräftebedarf, der jetzt und in den kommenden Jahren durch die Energiewende entsteht.

Klimaschutz braucht mehr Fachkräfte

Entgegen der Befürchtungen vor einigen Jahren, die Klimapolitik würde Jobs vernichten, erklärte Prof. Dr. Enzo Weber, schafft die beschleunigte ökologische Transformation Arbeitsplätze und fordere neue Kompetenzen. Studien zeigten beispielsweise, dass die veränderte Mobilität nicht das Ende der Arbeit im Verkehrswesen ist, sondern einen Umbruch markiert. 

„Kompetenzen verändern sich, Jobs verschieben sich, und darauf müssen wir uns einstellen. Nicht Einbruch, sondern Umbruch. Deshalb ist Fachkräftepolitik am Ende auch immer Klimapolitik“

Prof. Dr. Enzo Weber
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Politischer Rahmen und persönliche Motivation

Wie müssen sich Aus- und Weiterbildung entwickeln, um diesen Bedarf abzudecken, um Green Skills zu vermitteln? Zukunftsforscher Peter Spiegel antwortete: „Wir können nicht mehr nach dem alten Muster des Lernens vorgehen.“ Nicht immer mehr Wissen dürfe Ziel von Lernen sein, sondern Future Skills wie Achtsamkeit, Kreativität, digitale Souveränität und Systemdenken. Das Problem liege allerdings oft an der Umsetzung in den Unternehmen.

„Lebensschlüsselkompetenzen wie multiple Lernwege, Collaboration, Co-Creation, Multiperspektivität, Resilienz, Visionskraft, innere Führung, Empathie, systemisches Denken etc. müssen zu einer Art „Studium Generale“ in allen Bereichen von Bildung werden: von Schule und Hochschule bis Aus- und Fortbildung in Unternehmen wie auch in persönlicher Weiterbildung.“

Peter Spiegel
Zukunftsforscher

Die Politik, erklärte Dr. Gunilla Fincke, Leiterin der Abteilung für Qualifizierung, Aus- und Weiterbildung und Fachkräftesicherung im BMAS, könne nur Rahmenbedingungen schaffen, um Weiterbildung zu fördern. Zum Beispiel durch die Einführung einer Bildungsteilzeit nach österreichischem Vorbild, die den einzelnen Beschäftigten individuell und proaktiv motiviert, sich weiterzubilden.

„Neben der Weiterbildung sind gute Arbeitsbedingungen und eine mitarbeiterorientierte Arbeitskultur zentral, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.“

Dr. Gunilla Fincke

Damit davon aber nicht nur die ohnehin schon höher Qualifizierten profitierten, sei eine stärkere Verbindung von Erstausbildung und Weiterbildung erforderlich, ergänzte Prof. Dr. Enzo Weber. „Hier ist die Politik gefordert, um Ausbildung und Weiterbildung auf Augenhöhe zu bringen“, erklärte er. Genauso wichtig seien aber auch die Weiterbildungsverbände und Netzwerke wie ddn, um erfolgreiche Best-Practice-Lösungen aus großen in mittlere und kleine Unternehmen zu tragen.

Grüne Transformation und demografischer Wandel

Fachkräftebedarf in Zeiten der grünen Transformation

Wie wirkt sich die grüne Transformation auf den Arbeitsmarkt aus? Welche Kompetenzen werden in Zukunft gefragt sein? Sind die Soft-Skills von gestern die "Hard-Skills" von heute? Hier können Sie die Panel-Diskussion in voller Länge ansehen.

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