Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Zukunftssicherung und Altersvorsorge

Autorin: Anastasia von Loga

Einleitung

In Deutschland gehört die Absicherung des Lebensunterhaltes nach dem Ende der Erwerbstätigkeit zu den wesentlichen Kernelementen der sozialen Sicherung. Dabei umfasst die Altersvorsorge alle finanziellen Maßnahmen, die eine Person während ihres Lebens zur Absicherung des Lebensunterhalts im Alter ergriffen hat. Diese Maßnahmen gliedern sich in drei Bereiche der Vorsorge, die zusammen das Drei-Säulen-Modell bilden.

Gesetzliche Altersvorsorge

Die erste Säule ist die gesetzliche Rentenversicherung. Sie wird durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem Pflichtbeiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmer während der gesamten Erwerbstätigkeit eingezahlt werden. Aus diesem „Topf“ werden die Renten an die jeweils aktuelle Rentengeneration gezahlt. Durch die gezahlten Beiträge erwirbt jede in der Rentenversicherung versicherte Person eigene Rentenansprüche, wobei die Höhe der eingezahlten Beiträge die Höhe der späteren Altersrente beeinflusst. Die Höhe der Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung wird regelmäßig an wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen angepasst, wobei der Arbeitgeberanteil 2011 bei 8,2 Prozent eingefroren wurde. 

Ergänzende erwerbsbasierte Alterssicherung

Die zweite Säule bildet die ergänzende erwerbsbasierte Alterssicherung. Hier spielt die größte Rolle die betriebliche Altersvorsorge (bAV), bei der dem Arbeitnehmer Vorsorgeleistungen vom Arbeitgeber zusagt werden. In der bAV stehen folgende Durchführungswege zur Verfügung:

  • Direktzusage: Arbeitgeber bildet Rückstellungen; frei in der Art der Geldanlage, beitragspflichtig im Pensionssicherungsverein
  • Unterstützungskasse: Rückgedeckt oder „reservepolsterfinanziert“; gewährt formal keinen Rechtsanspruch, beitragspflichtig im Pensionssicherungsverein
  • Pensionskasse (PK): Selbstständiges Versicherungsunternehmen; Einzahlungen sind steuerlich limitiert
  • Direktversicherung (DV): Produkt einer Lebensversicherungsgesellschaft; seit 2005 gilt: viele Analogien zur Pensionskasse (insbesondere steuerlich); vor 2005 wurde die Direktversicherung steuerlich in der Anwartschaftsphase pauschaliert, (§ 40b EStG) und in der Rentenphase der Ertragsanteilsbesteuerung unterworfen.
  • Pensionsfonds (PF): 2002 eingeführter Durchführungsweg, hohe Aktienquote zulässig, (begünstigt) beitragspflichtig im Pensionssicherungsverein

Die Direktversicherung, die Pensionskasse und der Pensionsfonds werden als mittelbare (versicherungsförmige) Durchführungswege bezeichnet, da deren Finanzierung über ein rechtlich selbstständiges Unternehmen erfolgt. Für die Auswahl des Durchführungsweges sind neben der gewünschten Höhe der zugesagten Leistung von Arbeitgeberseite steuer- und bilanzrechtliche sowie unternehmenspolitische Gründe entscheidend. Darüber hinaus hat die bAV noch weitere Vorteile:

  • bestimmte betriebliche Altersvorsorgen können mit der Riester-Förderung kombiniert werden, 
  • berufsspezifische Risiken können wesentlich besser abgedeckt werden, und 
  • durch eine große Arbeitnehmeranzahl kann die betriebliche Vorsorge erheblich preiswerter sein als die private Altersvorsorge. 

Ende 2001 hatten rund 38 Prozent der Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine betriebliche Rente,  2005 waren es bereits 52 Prozent. Aktuell (2015) haben rund 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine betriebliche Altersversorgung.  

Private Altersvorsorge

Die dritte Säule ist die private Altersvorsorge. Dazu gehören freiwillige Aufwendungen wie z. B. Riester-Rente oder Lebensversicherung, die zusätzlich zur gesetzlichen oder betrieblichen Rente betrieben werden ebenso wie z. B. Immobilienbesitz oder Aktienfonds.

Bereits länger wird in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere auch der Katholischen Kirche, die Idee einer möglichen vierten Säule diskutiert, auf die sich die Altersvorsorge zukünftig stützen könnte. Die sogenannte Sockelrente ist eine steuerfinanzierte Volksversicherung für alle Einwohner und soll helfen, möglicher Altersarmut entgegenzuwirken. Sie soll die erste Stufe der Altersvorsorge bilden und dafür sorgen, dass auch individuelle Erwerbsbiographien, Selbstständige oder Geringverdiener eine angemessene Rente erhalten werden. Zudem sollen auch die Kindererziehungs- und/oder Pflegezeiten stärker anerkannt werden. Die Sockelrente wird als Ergänzung der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge verstanden. 

Ein weiteres wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist das Kunstwort Flexicurity, eine Zusammensetzung aus Flexibilität (engl. flexibility) und Sicherheit (engl. security). Es handelt sich um einen Ansatz in der Arbeitsmarktpolitik, der ursprünglich aus Dänemark stammt. Die Idee ist, die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern stärker miteinander zu vereinbaren. Ziel ist dabei, Flexibilität und Sicherheit nicht länger ausschließlich als Gegensätze wahrzunehmen. Konkret bedeutet das in Dänemark auf der einen Seite eine flexiblere Kündigungsregelung für Arbeitgeber, auf der anderen Seite eine stärkere soziale Sicherheit, die eng mit der – in Dänemark freiwilligen - Arbeitslosenversicherung zusammenhängt. 

Literatur

Barbara Sternberger-Frey, Altersvorsorge richtig planen: Die besten Strategien für Ihre finanzielle Absicherung [Broschiert], Auflage: 1,23. März 2010, Verlag: Stiftung Warentest 

Béatrice Bowald; Wolfgang Bürgstein, Brennpunkt Altersvorsorge: Gerechtigkeit angesichts demografischer Herausforderungen [Broschiert], Auflage: 1.,15. November 2008, Verlag: Rüegger 

Susanne Meunier; Theodor Pischke Private Altersvorsorge: 7., aktualisierte Auflage [Broschiert], 21.Februar 2012, Verlag: Stiftung Warentest; 

Tim Mehlig, Der demographische Wandel in Deutschland: Auswirkungen auf die gesetzliche Rentenversicherung und eine Auswahl staatlicher Handlungsoptionen [Broschiert], Auflage: 1., Juli 2011, Verlag: Grin Verlag 

Timon-Karl Kaleyta, Demographie und Altersvorsorge: Probleme und Perspektiven der Alterssicherung im Zuge einer tief greifenden Veränderung der Bevölkerungsstruktur [Taschenbuch], Auflage: 1., 4. Juni 2010, Verlag: Grin Verlag 

Nachweise

Einzelnachweise

 

Altersvorsorge macht Schule ist eine Website, die über mögliche Kurse an Volkshochschulen deutschlandweit informiert. [3]

BMAS- Das Bundesministerium für Soziales und Arbeit beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Rentenproblem und zusätzlicher Altersvorsorge [4] [5]

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge angesichts der Rentenlücke [6]

ddn- Das Demographie Netzwerk ddn ist eine Plattform, die Möglichkeiten zur positiven Nutzung des demographischen Wandels [7]

Deutsche Rentenversicherung- Die deutsche Rentenversicherung stellt in einer einfachen Broschüre die Möglichkeiten zur Altersvorsorge dar. [8] [9]

Dr. Hans-Peter Uhl, Mitglied des Deutschen Bundestages über den Demographischer Wandel und seine Folgen für die Rente [10]

Rentenblicker- Mit der bundesweiten Initiative "Rentenblicker" gibt die Deutsche Rentenversicherung jungen Menschen die Möglichkeit, sich frühzeitig mit der gesetzlichen Rentenversicherung und der zusätzlichen privaten Altersvorsorge zu beschäftigen. [11]

 

Experte

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor Universität Freiburg [12]

http://www.vwl.uni-freiburg.de/fakultaet/fiwiI/ueber-uns/team/bernd_raffelhueschen.shtml