Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Work Ability Index

Einleitung

Der Work Ability Index (WAI) – im Deutschen auch Arbeitsfähigkeitsindex oder Arbeitsbewältigungsindex (ABI) genannt – ist ein Messinstrument zur Erfassung der Arbeitsfähigkeit von Erwerbstätigen. Der WAI wurde in den 1980er Jahren von finnischen Arbeitsmedizinern entwickelt und 2001 von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in deutscher Sprache veröffentlicht. Das Instrument dient dazu, die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten zu erfassen, um auf dieser Grundlage ggf. Maßnahmen zu entwickeln, welche die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern erhalten bzw. fördern.

Fakten

Das Instrument selbst besteht aus sieben sogenannten WAI-Dimensionen (WAI-Items) mit insgesamt zehn Fragen sowie einer Diagnoseliste. Jede Antwort ist mit einem Punktwert verbunden, im Resultat ergibt sich ein WAI-Wert, der zwischen sieben und 49 Punkten liegen kann. Der Fragebogen dient der Selbsteinschätzung und wird entweder von den Befragten selbst oder unter Einbeziehung von Dritten, z. B. Betriebsärzten bei der betriebsärztlichen Untersuchung, ausgefüllt. Arbeitnehmer geben darin ihre gesundheitliche Befindlichkeit und eine Einschätzung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit an. Die Antworten werden nach einem Schema gewichtet und daraus ein Index errechnet. Das gesamte Verfahren unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht, bzw. wird in einem anonymisierten Verfahren durchgeführt. 

Der so ermittelte Wert zeigt zum einen, wie hoch die eigene Arbeitsfähigkeit eingeschätzt wird, zum anderen lassen sich Ziele von notwendigen Maßnahmen ableiten:

Punkte        Arbeitsfähigkeit        Ziel von Maßnahmen
7-27schlechtArbeitsfähigkeit wiederherstellen
28-36mittelmäßigArbeitsfähigkeit verbessern
37-43gutArbeitsfähigkeit unterstützen
44-49sehr gut

Arbeitsfähigkeit erhalten

Nach dem WAI wird die Arb


Nach dem WAI wird die Arbeitsfähigkeit eines Arbeitnehmers dann als sehr hoch eingeschätzt, wenn er diese selbst sehr hoch einschätzt und glaubt, seine Aufgaben derzeit und auch noch in zwei Jahren sehr gut bewältigen zu können und er nach eigener Einschätzung seine Aufgaben mit Engagement, Zuversicht und Erfüllung verrichtet. Zur Berechnung hinzu kommen die vom Arzt diagnostizierten Krankheiten und die Krankentage der letzten zwölf Monate. 

Der WAI dient im betriebsärztlichen Einsatz als präventives Hilfsmittel, das den Ausgangspunkt für gezielte Maßnahmen im Gesundheitsmanagement[2] bilden kann. Auch im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung kommt der WAI zum Einsatz. Mit der Zustimmung der betrieblichen Interessenvertretung und des Arbeitgebers kann er auch in der Betriebsepidemiologie eingesetzt werden, z. B. bei vergleichenden Quer- und Längsschnitterhebungen in verschiedenen Unternehmensabteilungen. Zusätzlich können je nach Anwender des Fragebogens auch regionale, nationale oder übernationale Vergleiche erfolgen, beispielsweise im wissenschaftlichen Kontext. 

Von Kritikern wird angeführt, dass der WAI ausschließlich personen- und verhaltensorientiert sei und keinen Bezug zu den vorhandenen Arbeitsbedingungen oder Belastungen herstelle. Tatsächlich eignet sich der WAI nicht als alleiniges Mittel bei der Beurteilung von Gefährdungen. Vielmehr ist er ein Präventionsinstrument, das andere Instrumente und Verfahren sinnvoll um eine subjektive Komponente ergänzen kann. 

Good Practice

Die sieben Dimensionen des WAI: 

WAI 1 Derzeitige Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu der besten, je erreichten Arbeitsfähigkeit

Wenn Sie Ihre beste, je erreichte Arbeitsfähigkeit mit 10 Punkten bewerten: Wie viele Punkte wurden Sie dann für Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit geben? 

WAI 2 Arbeitsfähigkeit in Relation zu den Arbeitsanforderungen

Wie schätzen Sie Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Relation zu den körperlichen Arbeitsanforderungen ein? Wie schätzen Sie Ihre derzeitige Arbeitsfähigkeit in Relation zu den psychischen Arbeitsanforderungen ein? 

WAI 3 Anzahl der aktuellen, vom Arzt diagnostizierten Krankheiten

(Langversion = 50, Kurzversion = 13 Krankheiten/Krankheitsgruppen) 

WAI 4 Geschätzte Beeinträchtigung der Arbeitsleistung durch die Krankheiten

Behindert Sie derzeit eine Erkrankung oder Verletzung bei der Arbeit? 

WAI 5 Krankenstand im vergangenen Jahr

(Anzahl Tage) 

WAI 6 Einschätzung der eigenen Arbeitsfähigkeit in zwei Jahren

Glauben Sie, dass Sie, ausgehend von Ihrem jetzigen Gesundheitszustand, Ihre derzeitige Arbeit auch in den nächsten zwei Jahren ausüben können? 

WAI 7 Psychische Leistungsreserven

Haben Sie in der letzten Zeit Ihre täglichen Aufgaben mit Freude erledigt? Waren Sie in letzter Zeit aktiv und rege? Waren Sie in der letzten Zeit zuversichtlich, was die Zukunft betrifft? 

Die genaue Version mit allen Details steht hier[3]

Nachweise

Literatur, Publikationen 

  1. Das Demographie Netzwerk ddn e.V. (2010): Das Prinzip muss lauten: Vorsorge statt Nachsorge. [4
  2. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.) (2009): Why WAI ? Der Work Ability Index im Einsatz für Arbeitsfähigkeit und Prävention – Erfahrungsberichte aus der Praxis. Dortmund. [5
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): (2009): Der Work Ability Index - ein Leitfaden, Dortmund/Berlin/Dresden.[6
  4. Freude, Gabriele; Eberhard Pech (2005): Demographischer Wandel, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit. In: Kerschbaumer, Judith / Wolfgang Schroeder (Hrsg.): Sozialstaat und demographischer Wandel: Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. 

Weiterführende Links

  1. WAI-Netzwerk [www.arbeitsfaehigkeit.net]