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Wanderungssaldo

Einleitung

Mit Wanderungssaldo (auch Wanderungsrate oder -bilanz) wird die Differenz von Ein- und Auswanderungen eines Landes, einer Gemeinde oder anderer Gebiete bezeichnet. Der Wanderungssaldo ist neben der Geburtenbilanz und der Lebenserwartung eine wichtige Kennziffer für die Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung. Im Jahr 2014 gab es in Deutschland einen Wanderungsüberschuss von insgesamt 550.000 Personen. 

Fakten

Zuwanderung

Zwar sind Zu- und Abwanderung starken Schwankungen unterworfen, dennoch zeichnet sich für die vergangenen Jahre ein starker Trend zur Zuwanderung ab, der nicht zuletzt aus den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit resultiert. Dennoch gilt grundsätzlich, dass das Wanderungssaldo einerseits abhängig ist vom Migrationspotenzial der Herkunftsländer und seinen politischen, wirtschaftlichen, demographischen oder auch ökologischen Entwicklungen. Zum anderen bestimmt die Migrationspolitik sowie die wirtschaftliche und soziale Attraktivität Deutschlands, wie viele Menschen hierher kommen. 

 

Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland 1992 bis 2014 (Auswahl)

Jahr

Zugezogene

Fortgezogene

Saldo

2014

1 464 724

914 241

550 483

2013

1 226 493

797 886

428 607

2012

1 080 936

711 991

368 945

2011

958 299

678 969

279 330

2010

798 282

670 605

127 677

2007

680 766

636 854

43 912

2004

780 175

697 632

82 543

2001

879 217

606 494

272 723

1998

802 456

755 358

47 098

1995

1 096 048

698 113

397 935

1992

1 502 198

720 127

782 071

(Quelle: Statistisches Bundesamt

Im Jahr 2014 zogen insgesamt 1 465 000 Personen nach Deutschland zu. Das waren 238 000 Zuzüge mehr als im Jahr 2013 (+ 19 %). Eine ähnlich hohe Zuwanderungszahl hatte es laut Statistischem Bundesamt zuletzt im Jahr 1992 (1 502 000 Personen) gegeben.

Der Anstieg der Zuzüge nach Deutschland im Jahr 2014 ist auf die stärkere Zuwanderung ausländischer Personen zurückzuführen: Von den insgesamt 1 465 000 Zuwandernden hatten 1 343 000 einen ausländischen Pass, das waren 234 000 (+ 21 %) mehr als im Jahr 2013. Dagegen ist die Zahl der Zuzüge von Deutschen – dazu zählen Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sowie aus dem Ausland zurückgekehrte Deutsche – mit rund 122 000 Personen gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben. Von den 914 000 Abgewanderten aus Deutschland im Jahr 2014 waren 766 000 ausländische Personen (+ 108 000) und 149 000 Deutsche (+ 8 000). 

 

Abwanderung

Insgesamt 914 000 Personen zogen im Jahr 2014 aus Deutschland fort, 116 000 mehr als im Vorjahr (+ 15 %). 

Wanderungssaldo

Im Saldo aus Zu- und Fortzügen ergibt sich daraus ein Wanderungsüberschuss ausländischer Personen von rund 577 000 Personen (2013: + 450 000) und ein Wanderungsverlust deutscher Bundesbürger von 26 000 Personen (2013: – 22 000). Damit ergibt sich ein Wanderungsüberschuss von 550 000 Personen aus der Bilanzierung der Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands – dies ist ebenfalls der höchste Wert seit 1992. 

Die ausländischen Zuwandernden kamen mit 830 000 Zuzügen und einem Wanderungsüberschuss von 312 000 Personen hauptsächlich aus der Europäischen Union. Dabei erhöhte sich im Jahr 2014 gegenüber 2013 weiterhin die Zuwanderung aus Italien mit einem Wanderungsüberschuss von 37 000 Personen (+ 13 %), während die Zuwanderung aus Spanien (– 26 %) und Griechenland (– 29 %) rückläufig war. Aus den osteuropäischen Ländern stieg der Wanderungsüberschuss vor allem aus Rumänien (+ 75 000 Personen, + 52 %), Bulgarien (+ 33 000 Personen, + 61 %) sowie aus Kroatien (+ 27 000 Personen, + 115 %). Die meisten ausländischen Zuwandernden stammten nach wie vor aus Polen mit 191 000 Zuzügen und einem Wanderungsüberschuss von 59 000 Personen.

Aus den sonstigen europäischen Staaten erhöhte sich 2014 der Überschuss ausländischer Zuwandernder auf 72 000 Personen (+ 73 %), vor allem wegen verstärkter Zuwanderungen aus Serbien (+ 16 000 Personen, + 125 %), dem Kosovo (+ 14 000 Personen, + 176 %) und aus Albanien (+ 10 000 Personen, + 483 %).

Aus Afrika wanderten gegenüber 2013 ebenfalls deutlich mehr ausländische Personen ein (Wanderungsüberschuss von 47 000 Personen, + 60 %), unter anderem aus Somalia (+ 5 000 Personen, + 44 %), Nigeria (+ 4 000 Personen, + 131 %) und aus Tunesien (+ 3 000 Personen, + 35 %). Die Einwanderung aus Asien stieg um 91 % auf einen Überschuss von 133 000 Personen, dabei war die Zunahme für das Bürgerkriegsland Syrien mit 62 000 Personen (+ 271 %) am höchsten. 

Alle Bundesländer hatten eine positive Wanderungsbilanz mit dem Ausland. Allerdings entfielen knapp drei Viertel der Zuwanderung ausländischer Personen auf insgesamt nur fünf Bundesländer: Der Wanderungsüberschuss war besonders hoch in Nordrhein-Westfalen (112 000 Personen), Bayern (100 000 Personen), Baden-Württemberg (95 000 Personen), Hessen (57 000 Personen) und Niedersachsen (51 000 Personen). 

Binnenwanderung 

Nicht nur nach und aus Deutschland, auch innerhalb Deutschlands waren deutliche Zu- und Abwanderungen sichtbar. Im Jahr 2014 zogen nach vorläufigen Ergebnissen 97 000 Personen aus den neuen Bundesländern in die alten Bundesländer, während 93 700 Menschen in die umgekehrte Richtung wanderten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit am 3. Oktober weiter mitteilt, verloren die neuen Bundesländer per Saldo rund 3 300 Personen durch Abwanderung in den Westen; die Ost-West Wanderungsströme des Jahres 2014 sind damit nahezu ausgeglichen. Berlin ist in diesen Zahlen nicht berücksichtigt. 

In den vergangenen 25 Jahren (1991 bis 2014) sind 3,4 Millionen Personen von den neuen Bundesländern in die alten Länder gezogen und 2,2 Millionen Personen in die umgekehrte Richtung. Insgesamt haben die neuen Bundesländer in diesem Zeitraum per Saldo 1,2 Millionen Personen durch Abwanderung an die alten Bundesländer verloren. 

In jedem Jahr nach der Wiedervereinigung hat es Abwanderungsverluste der neuen Bundesländer gegenüber den alten Bundesländern gegeben. Am höchsten waren die Abwanderungsverluste Anfang der 1990er Jahre (165 400 Personen im Jahr 1991) und Anfang der 2000er Jahre (97 600 Personen im Jahr 2001). Seit 2008 hat der Wanderungssaldo bis zum aktuellen Tiefstand im Jahr 2014 kontinuierlich abgenommen. Starke Abwanderungsquoten können manche Regionen vor erhebliche Probleme stellen, qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren.

Nachweise

  1. Statistisches Bundesamt (2015): Pressemitteilung Nr. 321 vom 03.09.2015:2014: Wanderungsüberschuss in Deutschland von 550 000 Personen [1]
  2. Statistisches Bundesamt (2015): Zahl der Woche vom 22.09.2015: Wanderungssaldo 2014 von Ost nach West mit 3 300 Personen nahezu ausgeglichen [2]