Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Einleitung

Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht es dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend darum, dass sowohl Frauen als auch Männer eine qualifizierte Berufsausbildung absolvieren, Berufschancen in Angriff nehmen und einer Berufstätigkeit nachgehen und dies gleichzeitig mit einer Familienplanung vereinbaren können. Um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, benötigen Eltern Kinderbetreuungsangebot sowie familienfreundliche Maßnahmen im Unternehmen. Veränderungen in der Demographie und Arbeitsmarktpolitik wie zum Beispiel niedrige Reproduktionsraten und Engpässe am Arbeitsmarkt sind Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. 

Fakten

Wandel des Familienmodells 

Seit Ende des 19. Jahrhunderts herrschte lange Zeit das traditionelle Modell einer bürgerlichen Familie vor. Inzwischen haben sich andere Familienkonstellationen hervorgetan. Die Zahl von Alleinerziehenden steigt, Patchworkfamilien nehmen zu sowie die Anzahl der Kinder unverheirateter Eltern. Die Scheidungszahlen schwanken regelmäßig, haben seit den 1950er Jahren jedoch im Endeffekt zugenommen, während zur gleichen Zeit die Zahl der Eheschließungen abgenommen hat. Dies kann unter anderem daran liegen, dass die Ehe in der heutigen Zeit an Bedeutung verloren hat und gleichzeitig eine Scheidung gesellschaftlich akzeptierter ist als noch vor 60 Jahren. Ebenso nahm nach dem Babyboom (Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre) die Geburtenrate erheblich ab, die derzeit bei 1,4 Kindern pro Frau liegt. Zu Beginn der 1960er Jahre lag die Geburtenrate noch bei 2,5 Kindern pro Frau.

Beteiligung der Mütter und Väter am Erwerbsleben 

Um einen Überblick über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bekommen, werden zunächst die statistischen Fakten über die Erwerbstätigkeit zwischen Müttern und Vätern genannt. Männer arbeiten weiterhin mehr als Frauen. Dennoch ist die Anzahl der erwerbstätigen Frauen gestiegen. Während 1970 nur 45,9% der Frauen einer Arbeit nachgingen, waren 2009 65,1% der Frauen erwerbstätig. Insbesondere in den letzten zehn Jahren hat die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland deutlich zugenommen. 2002 lag die Erwerbstätigenquote von Frauen in Deutschland noch bei 61,8 %. Allerdings gilt auch mit Blick auf Notwendigkeit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die stärkste Zunahme wiesen dabei die älteren Frauen auf. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen stieg von 14,5 % im Jahr 2002 auf 38,7 % im Jahr 2012 an. 

Trotz des starken Anstiegs sind Frauen aber weiterhin deutlich seltener erwerbstätig als Männer. Die Erwerbstätigenquote der Männer von 20 bis 64 Jahren in Deutschland lag 2012 bei 81,8 %. 

Dem statistischen Bundesamt zur Folge gibt es zwar inzwischen prozentuell mehr Väter als früher beim Elterngeldbezug, dennoch verzichten weiterhin mehr Mütter als Väter auf ihre Berufstätigkeit. 2010 waren 60% der Mütter und 84% der Väter mit minderjährigen Kindern erwerbstätig. Wenn beide Elternteile arbeiten, geht die Mutter in der Regel einer Teilzeittätigkeit nach, während der Vater Vollzeit beschäftigt ist. Unterschiede lassen sich auch in ost- und westdeutschen Familien erkennen. Im Osten bleibt das Modell der Doppelversorgerfamilie der ehemaligen DDR weiterhin verankert, das aufgrund eines normativen und ökonomischen Drucks existierte. Daher ist im Osten die Anzahl erwerbstätiger Mütter höher als im Westen. Ebenso sind die Gründe, von Vollzeit auf eine Teilzeitarbeit überzugehen, unterschiedlich. Im Westen verzichten Mütter auf eine Vollzeit, um sich mehr um persönliche und familiäre Verpflichtungen zu kümmern. Im Osten hingegen gehen Mütter einer Teilzeittätigkeit nach, wenn die Alternative zur Vollzeittätigkeit aufgrund mangelnder Arbeitsmarktplätze nicht gegeben ist. 

Familienbewusste Personalpolitik 

Aus einer repräsentativen Studie des „Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik“ aus dem Jahr 2013 geht hervor, dass immer mehr Unternehmen um eine familienbewusste Kultur bemüht sind. Das Forschungszentrum beschäftigte sich gezielt mit der Frage, ob eine familienbewusste Personalpolitik sowohl Vorteile für die Familien als auch für die Unternehmen hat. Vergleichswerte standen mit einer bereits 2006 durchgeführten Studie zur Verfügung. Der Zusammenhang zwischen familienbewusster Personalpolitik und betriebswirtschaftlichem Erfolg wurde anhand einer Input-Output-Logik dargestellt. Dabei steht Familienbewusstsein für den Input und der betriebswirtschaftliche Erfolg für den Output. 

Die Ergebnisse zeigen, dass bei einer höheren betriebswirtschaftlichen Familienpolitik Arbeitnehmer wesentlich motivierter und produktiver arbeiten. Ebenso konnte eine geringere Krankheitsquote, Fehlzeitenquote, Stellenbesetzungsdauer und Fluktuationsrate nachgewiesen werden. Negativ hingegen waren die Ergebnisse für die Rückkehrquote aus der Elternzeit, die Unternehmenszugehörigkeit, die Elternzeitdauer sowie die Kosten vakanter Stellen. Die Rückkehrquote aus der Elternzeit sowie die Elternzeitdauer ist zwar weiterhin niedrig, verglichen mit 2007 aber leicht gestiegen. Die geringe Unternehmenszugehörigkeit lässt sich dadurch erklären, dass sich das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Unternehmen erst über eine bestimmte Beschäftigungsdauer entwickelt. Da vor allem junge Mitarbeitende Familie und Beruf vereinbaren müssen, die noch nicht lange zum Unternehmen gehören, ist das Ergebnis für die Unternehmenszugehörigkeit noch schwach ausgeprägt. Dagegen sind die Ergebnisse der Mitarbeiterbindung wiederum positiv. Der berufundfamilie-Index gibt Mittelwert, Median und Standardabweichung der befragten Unternehmen zur Zufriedenheit der Mitarbeiter aufgrund familienfreundlicher Maßnahmen an und zeigt, dass die Werte 2012 im Vergleich zu 2007 deutlich gestiegen sind. Die steigenden Werte zeigen, dass eine familienfreundlichere Unternehmenskultur positive Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens hat. 

Beispiel 

Inzwischen gibt es immer mehr Unternehmen, die sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen, und damit mit gutem Beispiel anderen Unternehmen vorangehen. 2012 wurden bei einem Unternehmenswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie“ unter der Kategorie „große Unternehmen“ das Unternehmen Bosch als familienfreundlichstes Großunternehmen von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder gekürt. Das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“ setzt sich aus dem Bundesfamilienministerium, den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft (BDA, DIHK,ZDH) sowie aus dem DGB zusammen. Bei Bosch ist Familienfreundlichkeit ein strategischer Bestandteil der Personalpolitik und bietet neben Teilzeitmodellen auch die Möglichkeit, Aufgaben vom Homeoffice aus zu erledigen oder einen Arbeitsplatz zu teilen (Jobsharing). Inzwischen arbeitet jede vierte weibliche Führungskraft in Teilzeit. Ebenso bietet Bosch seinen Arbeitnehmern Unterstützung bei der Suche nach einer Kinderbetreuung und organisiert darüber hinaus Ferienbetreuung und Freizeitaktivitäten für die gesamte Familie. 

Nachweise

Literaturverzeichnis

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Gender-Datenreport: Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: November 2005, 2. Fassung, {Abrufdatum 23.04.2014}

  • Eurostat: Online Datenbank: Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit, Stand: (05/2013), {Abrufdatum 2.02.2014}

  • Gerlach, Prof. Dr. I.; Schneider, Prof. Dr. Dr. H.; Schneider M.A., A.-K., Quednau; M.Sc., A., Status quo der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in deutschen Unternehmen sowie betriebswirtschaftliche Effekte einer familienbewussten Personalpolitik, Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik, Münster, Berlin, Stand: 2013, URL: http://www.ffp-muenster.de/tl_files/dokumente/2013/ub2012_bericht.pdf {Abrufdatum 12.02.2014}

  • Kreyenfeld, M.; Geisler, E. Müttererwerbstätigkeit in Ost- und Westdeutschland (Mothers’ Employment in East and West Germany), Stand: 2005/2006 {Abrufdatum 23.04.2014}

  • Pressemitteilung Nr. 082 vom 07.03.2014: Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland deutlich über EU-Durchschnitt

  • Schubert, K.; Klein M. Das Politiklexikon. 5., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2011, {Abrufdatum 2.02.2014}

  • Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, Bundeszentrale für politische Bildung, Stand: 2010, URL: www.bpb.de/system/files/pdf/O4NQPA.pdf, {Abrufdatum 15.02.2013}

 

Autorin 

Sarah Kissing