Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

TErrA - Überbetriebliche Tätigkeitswechsel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit in regionalen Netzwerken

Einleitung

Eine Folge des demographischen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt ist es, dass zunehmend mehr berufliche Tätigkeiten nicht mehr bis zum Renteneintrittsalter leistungsfähig ausgeübt werden können. Dies stellt nicht nur die Beschäftigten vor neue Herausforderungen. Auch die Unternehmen müssen in zunehmendem Maße innovative Personalmanagementkonzepte einsetzen, um dem Rückgang tätigkeitsbezogener Leistungspotenziale mit höherem Alter begegnen zu können. Bei dieser Aufgabe hilft ihnen ein aktuelles Forschungsprojekt, das praktische Lösungen für überbetriebliche Tätigkeitswechsel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit in regionalen Netzwerken entwickelt.

Projekt

Im Verbundprojekt TErrA des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden erstmalig Modelle überbetrieblicher Tätigkeitswechsel in Unternehmensnetzwerken entwickelt und erprobt. Durch gemeinsame sowohl unternehmens- als auch mitarbeiterindividuell gestaltete Lösungen für überbetriebliche Tätigkeitswechsel, wird die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit entscheidend verbessert. Das Projekt entwickelt ein innovatives, durch Regionalnetzwerke gesteuertes, erwerbsbiographisches Präventionsinstrument für den Arbeits- und Gesundheitsschutz von morgen.

Den Kern des dreijährigen Verbundprojektes (2016 bis 2019) in der Modellregion Rhein-Ruhr bildet die vorausschauende Gestaltung von Erwerbsverläufen in Berufen mit begrenzter Tätigkeitsdauer. Dabei stehen Maßnahmen zur Vermeidung einseitiger Belastungen sowie die Förderung individueller Kompetenzen ebenso im Vordergrund, wie die Schaffung nachhaltiger Strukturen für Beschäftigungsalternativen inner- und außerhalb des Unternehmens. TErrA stellt auf diese Weise die Weichen für eine verbesserte zwischenbetriebliche Mobilität und setzt überdies Impulse für die sozialpolitischen Rahmenbindungen zur Umsetzung von überbetrieblichen Tätigkeitswechseln.

Damit auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit zur Realisierung von Tätigkeitswechseln erhalten, soll im Verlauf des Projektes ein regionaler Infopool entwickelt werden, durch den sich die abgebenden und die aufnehmenden Unternehmen informieren können. Für Beschäftigte und Unternehmen wird zudem eine „Lotsenfunktion“ entwickelt, die bei der präventiven und vorausschauenden Gestaltung von Erwerbsbiographien durch Wahrnehmung von Entwicklungs- und Unterstützungsangeboten regionaler Sozialversicherungsträger helfen wird.

TErrA verändert das bisher in der Praxis vorherrschende Disability-Management zu einem präventionsorientierten Ability-Management, mit dem Ziel einer möglichst bruchlosen und vorausschauend gestalteten Erwerbsbiographie. Durch präventive Maßnahmen zur Gesundheit, Qualifikation und Motivation werden die bisher sehr begrenzten Möglichkeiten der innerbetrieblichen Personalentwicklung – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen –  durch das regionale überbetriebliche TErrA-Netzwerk massiv erweitert und dadurch zu einer neuen Chance für Beschäftigte, Unternehmen und auch für die Sozialversicherungsträger. Denn die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit vieler Beschäftigter wird dauerhaft, im Idealfall bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter, erhalten.

Wenn die neue „mesoökonomische“ regionale Steuerung überbetrieblicher Tätigkeitswechsel gelingt, dann ist auch der ökonomische Nutzen für alle Beteiligten hoch. Die Beschäftigten haben bei einem regionalen Wechsel die vergleichsweise geringsten Mobilitätskosten – aber die Aussicht auf eine dauerhafte neue Tätigkeit, mit geringeren Belastungen, höherer Lernförderlichkeit und besserer Motivation. Das abgebende Unternehmen ist nicht mehr gezwungen, einen Mitarbeiter unterhalb seiner Leistungsfähigkeit oder Qualifikation zu beschäftigen, was sowohl unproduktiven Aufwand als auch persönliche Wertschätzungsverluste vermeidet. Das aufnehmende Unternehmen erhält eine gesundheitlich vorbereitete, qualifizierte und vor allem motivierte Fachkraft, die sonst auf dem Arbeitsmarkt wegen des demographischen Wandels immer schwerer zu bekommen ist.

Letztendlich profitieren die Sozialversicherungsträger massiv durch vermiedene Frühverrentung, vermiedene Arbeitslosigkeit und vermiedene Erkrankungen – und damit die Gesellschaft insgesamt. Weil die dynamische Anpassung an Veränderungen der Arbeitswelt durch präventionsgesteuerte Tätigkeitswechsel besser gelingt, entsteht über die vermiedenen Kosten hinaus ein heute noch gar nicht absehbarer monetärer und nicht monetärer Nutzen.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.taetigkeitswechsel.de
und in der ddn-Geschäftsstelle.

Verbundpartner

EDG Entsorgung Dortmund GmbH www.edg.de
thyssenkrupp Steel Europe AG www.thyssenkrupp-steel.com/de
Berufsförderungswerk Dortmund www.bfw-dortmund.de
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin www.baua.de
Das Demographie Netzwerk – ddn www.demographie-netzwerk.de
Deutsche Berufsförderungswerke Bundesverband www.bv-bfw.de
Prospektiv GmbH www.prospektiv.de

 

 

TErrA wird gefördert vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunktes Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen

Nachweise

  1. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Wissenschaftliche Standortbestimmung, 2016
  2. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Weißbuch Arbeiten 4.0 - Diskussionsentwurf, Berlin 2016
  3. Bundesministerium für Bildung und Forschung, Zukunft der Arbeit - Innovation für die Arbeit von morgen, Bonn 2016
  4. Huneke, Marcel: Psychologie der Nachhaltigkeit, Psychische Ressourcen für Postwachstumsgesellschaften, München 2013