Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Renteneintritt

Einleitung

Der Renteneintritt (oder Rentenzugang) gibt darüber Auskunft, wann Menschen unter welchen Voraussetzungen eine gesetzliche Rentenversicherung in Anspruch nehmen. Grundsätzlich wird zwischen dem gesetzlichen Renteneintrittsalter und dem individuellen tatsächlichen Renteneintrittsalter einer Person unterschieden. Gesetzliches Renteneintrittsalter und tatsächliches Alter beim Austritt aus dem Erwerbsleben sind in der Regel nicht identisch, es besteht vielmehr eine mehr oder weniger große Lücke. Dabei entscheidet oft der Beruf und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen, wann und warum Menschen in Rente gehen. 

Fakten

Gesetzliches Renteneintrittsalter in Deutschland

Die Bundesregierung hat 2006 beschlossen, das gesetzliche Renteneintrittsalter von 2012 an bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Für diese Verlängerung der Lebensarbeit sprach und spricht die demographische Entwicklung und dem damit verbundenen Erwerbspersonenpotenzial. Seit 2012 erfolgt deshalb die Anhebung beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1947 zunächst in Ein-Monats- und von 2024 in Zwei-Monats-Schritten. Für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ab Jahrgang 1964 gilt damit die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. 

Wer seit dieser Novellierung früher in Rente gehen möchte, kann das nicht völlig frei gestalten, sondern ist an Bedingungen gebunden. Für bestimmte Personengruppen gibt es Ausnahmeregelungen. Personen, für die keine Ausnahmeregelung gilt, können nur mit Abschlägen vorzeitig in Rente gehen. Ausnahmeregelungen gibt es für langjährig Versicherte, Schwerbehinderte, Frauen, Arbeitslose und Altersteilzeitbeschäftigte sowie für Feuerwehrmänner, Polizisten, Soldaten und langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute. Personen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen, haben nach Paragraph 435 SGB III[1] Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. 

Generell gilt: Wer seine Rente vor der für ihn maßgeblichen angehobenen Altersgrenze in Anspruch nimmt, kann dies nur mit einem Abschlag tun. Der Abschlag beträgt 0,3 Prozent für jeden Monat des vorzeitigen Ruhestands. Aufs Jahr gerechnet sind das 3,6 Prozent, bei maximal 10,8 Prozent für drei Jahre vorzeitigen Renteneintritt. Seit 1.1.2001 gilt dies nicht nur für vorzeitig in Anspruch genommene Altersrenten, sondern auch für Erwerbsminderungsrenten und Renten wegen Todes vor Vollendung des 63. Lebensjahres des Versicherten. 

Seit 2015 besteht für bestimmte Personengruppen unter bestimmten Voraussetzungen wieder die Möglichkeit, mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Hintergrund ist das Rentenpaket der Bundesregierung, das 2014 von der großen Koalition verabschiedet wurde. Damit sollen jene Menschen belohnt werden, die mit ihrer Lebensarbeitsleistung das Rentensystem stützen. Es kommt denjenigen zugute, die jung ins Arbeitsleben eingetreten sind und über Jahrzehnte hinweg durch Beschäftigung, selbstständige Tätigkeit und Pflege sowie Kindererziehung ihren Beitrag zur Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung geleistet haben. Für diese Menschen wird die bereits bestehende Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren ab 65 abschlagsfrei in Rente zu gehen, vorübergehend ausgeweitet. Wer also 45 Jahre Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit Vollendung des 63. Lebensjahres ab dem 1. Juli 2014 ohne Abzüge in den Ruhestand gehen. 

Zudem werden die Anspruchsvoraussetzungen verbessert: Kurzzeitige Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit (Bezug von Arbeitslosengeld I) werden angerechnet. Zeiten der Pflege, sofern Versicherungspflicht bestand, Erziehung von Kindern bis zum 10. Lebensjahr sowie Schlechtwetter-, Insolvenz- oder Kurzarbeitergeld zählen wie bisher für die 45-jährige Wartezeit mit. Nicht berücksichtig werden Zeiten mit Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II (Hartz IV), da es sich hierbei um Fürsorgeleistungen handelt und nicht um Versicherungsleistungen. Um Frühverrentungen zu vermeiden, werden Zeiten des Arbeitslosengeldbezuges in den letzten zwei Jahren vor der abschlagsfreien Rente ab 63 nicht mitgezählt. Eine Ausnahme von dieser Ausschlussregelung gilt jedoch für Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs, die durch eine Insolvenz oder eine vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht wurden. Denn in diesen Fällen liegt typischerweise keine missbräuchliche Frühverrentung vor.

Aus der Rente mit 63 wird schrittweise die Rente mit 65. Die Rente ab 63 gilt nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt und welche die sonstigen Voraussetzungen erfüllen. Für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1953 geboren sind, steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Wer also nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, kann nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat.

Tatsächliches Renteneintrittsalter in Deutschland 

Gesetzliches und tatsächliches Renteneintrittsalter sind keineswegs identisch. Allerdings gehen die Menschen in Deutschland zunehmend später in Altersrente und nähern sich so dem gesetzlichen Renteaneintrittsalter immer mehr an: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag im Jahr 2013 bei 64,1 Jahren (Männer) bzw. 64,2 Jahren (Frauen). 1997/1998 hingegen bezogen Männer mit 62,0 Jahren bzw. Frauen mit 62,2 Jahre die Altersrente rund zwei Jahre früher. Mittlerweile liegt das Renteneintrittsalter deutlich höher als im Jahr 1993. Der später einsetzende Bezug einer Altersrente bedeutet jedoch nicht, dass alle Betroffenen auch entsprechend länger arbeiten. Denn auch Renteneintrittsalter und Berufsaustrittsalter sind oft nicht identisch. Ein bruchloser Übergang von einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in die Altersrente gelingt nur einem Teil der Versicherten. Für die anderen erfolgt der Berufsaustritt weit früher und geht dann mit Phasen von (Langzeit-)Arbeitslosigkeit, Nicht-Erwerbstätigkeit oder Altersteilzeit einher. So waren 2014 nur knapp 32 Prozent der Personen in der Altersgruppe zwischen 60 und 65 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Für viele Beschäftigte setzt der Berufsaustritt also weit vor dem 65. Lebensjahr ein. Dies trifft vor allem auf Ältere zu, die ihren Arbeitsplatz verlieren, keine Wiederbeschäftigung finden und solchermaßen „freigestellt“ auf den Rentenbeginn warten. Arbeitslosigkeit von Älteren ist in der Regel Langzeitarbeitslosigkeit und hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Auch Beschäftigte in der Passivphase der Altersteilzeit sowie Nicht-Erwerbstätige – das sind in erster Linie Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit frühzeitig aufgegeben haben bzw. nicht wieder aufgenommen haben – zählen zu jener Gruppe, die zwischen Berufsaustritt und Renteneintritt eine Lücke aufweist. Insgesamt wechselten lediglich ein Viertel aller Rentenneuzugänge im Jahr 2012 unmittelbar aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in die Altersrente.

Der Bezug einer Erwerbsminderungsrente ist hingegen nicht an Altersgrenzen gebunden. Entscheidend ist der Grad der gesundheitlichen Beeinträchtigung und der Erwerbsfähigkeit. Insofern liegt das durchschnittliche Zugangsalter auch deutlich niedriger als bei den Altersrenten und ist in den letzten Jahren entgegen dem Trend bei der Altersrente auch weiter gesunken. So betrug das Renteneintrittsalter wegen Erwerbsminderung 1993 bei Frauen 51, 3 Jahre, bei Männern 53,3. Im Jahre 2012 hingegen gingen Erwerbstätige wegen Erwerbsminderung bereits mit 50,1 (Frauen) bzw. 51,4 (Männer) in Rente. Anteil an dieser Entwicklung dürfte auch die Erwerbsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen haben, die in den letzten 15 Jahren stark zugenommen hat.     

Wer wann in Rente geht, hängt stark von der ausgeübten Tätigkeit ab. Tendenziell gilt, je stärker die physische Belastung ist, desto früher der Renteneintritt. So weisen Berufe im Handwerk und in der Industrie deutlich geringere Verbleibsquoten auf als akademische Berufe wie beispielsweise Ärzte, Apotheker oder generell geistes- und naturwissenschaftliche Berufe. Von den im Hoch- oder Tiefbau beschäftigten Personen geht fast jeder Zweite aus Gesundheitsgründen vorzeitig in Rente. In Ausbauberufen, wie z. B. Fliesenleger oder Heizungsbauer und in Berufen der Holzbearbeitung liegt diese Quote jeweils bei über 40 Prozent. Anders bei akademischen Berufen. Hier treten weniger Menschen aus Gesundheitsgründen und mehr aus Altersgründen in den Ruhestand. Wer formal besser qualifiziert ist, geht älter und gesünder in Rente. 

Internationaler Vergleich 

Im internationalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede, sowohl was das gesetzliche als auch das tatsächliche Renteneintrittsalter betrifft. Wenn im Jahr 2020 in Deutschland die Rente abschlagsfrei erst mit 65,9 Jahren bezogen werden kann, dann wird das gesetzliche Renteneintrittsalter in Dänemark, Irland und Großbritannien bereits bei 66 Jahre liegen, in Estland, Italien oder Polen sogar noch darüber.   

Nicht nur in Frankreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der EU, wie beispielsweise in Rumänien, der Slowakei oder auch in Luxemburg gehen die Menschen im Durchschnitt früher als in Deutschland in Rente. In Schweden hingegen arbeiten die Menschen durchschnittlich bis über 65, in Japan bis knapp 70 und in Südkorea sogar bis über 70. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland allerdings ganz gut im Rennen. 

Nachweise

Einzelnachweise

 

 

  1. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2010): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2009 – Unfallverhütungsbericht Arbeit, Dortmund. Zitiert: Suga 2009
  2. DGB et al. (Hrsg.): Rente mit 67 – für viele Beschäftigte unerreichbar! Dritter Monitoring-Bericht des Netzwerks für eine gerechte Rente
  3. Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen: Durchschnittliches Zugangsalter in Altersrenten 1993 – 2013 [6]
  4. Martin Brussig (2010): Altersübergangs-Report 2010-05: Erwerbstätigkeit im Alter hängt vom Beruf ab.
  5. WSI GenderDatenPortal: Frauen gehen etwas früher in Rente; Durchschnittliches Rentenzugangsalter von Frauen und Männern nach Rentenart [5]
  6. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.) „Deutschland in guter Gesellschaft“
  7. Zur Entwicklung der Regelaltersgrenze und des Rentenzugangsalters im internationalen Vergleich [7]