Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Flexible Arbeitszeit

Einleitung

Der Begriff „flexible Arbeitszeit“ bezeichnet Arbeitszeitlösungen, die von der sogenannten Normalarbeitszeit abweichen. Grundsätzlich kann die zeitliche Dauer, die Verteilung der Arbeitszeit oder eine Kombination aus beidem flexibilisiert werden. Kennzeichnend für flexible Arbeitszeitsysteme ist, dass sie sich leicht an wechselnde Anforderungen anpassen lassen. 

Fakten

Die Eckpunkte für die Arbeitszeiten von Arbeitnehmern in Deutschland sind im Arbeitszeitgesetz verankert, welches für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbindlich ist. Darin festgelegt sind die tägliche und wöchentliche Höchstarbeitszeit sowie Mindestruhepausen während und nach der Arbeit. Sonn- und Feiertagsarbeiten sind nur ausnahmsweise unter den im Gesetz festgelegten Bedingungen zulässig. Das Gesetz beschränkt sich auf die zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit erforderlichen Regelungen. Für die Ausgestaltung innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. die Tarifpartner verantwortlich. Das Tarifvertragsgesetz berechtigt diese, Tarifverträge abzuschließen, welche auch die Gestaltung der Arbeitszeiten regeln. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit kann sowohl die Wochenarbeitszeit (bzw. Monats- oder Jahresarbeitszeit) als auch die Lebensarbeitszeit betreffen. Bei der Wochenarbeitszeit geht es darum, die durchschnittliche Anzahl der Stunden, die ein Arbeitnehmer in einer Woche arbeitet, flexibler gestalten zu können. Die Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit hingegen bezieht sich auf eine Aufhebung des starren Übertritts vom Erwerbsleben in den Ruhestand. In vielen Fällen kann es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer von Interesse sein, flexible Arbeitszeitmodelle zu haben. Wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit ausgestaltet wird, ist abhängig von den Vereinbarungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer treffen. In der Praxis gibt es viele verschiedene Beispiele, die auch miteinander kombiniert werden können. Die bekanntesten Beispiele sind:  

Flexibilisierung der Dauer der Arbeitszeit 

 

  • Teilzeitarbeit: Die regelmäßige Arbeitszeit liegt unterhalb der Regelarbeitszeit der vergleichbaren Vollzeitkräfte. 
  • Jobsharing: Eine besondere Form der Teilzeitarbeit stellt das Jobsharing dar, bei dem sich zwei oder mehrere Personen einen oder mehrere Arbeitsplätze teilen. 
  • Altersteilzeit: Diese spezielle Form der Teilzeit soll den gleitenden Übergang in den Ruhestand durch Reduzierung der Arbeitszeit fördern. Am häufigsten wird das Blockmodell gewählt, bei dem zunächst ungekürzt weitergearbeitet wird und der Arbeitnehmer in der sogenannten Freistellungsphase ganz aufhört zu arbeiten. 
  • Geringfügige Beschäftigung: Sozialversicherungsrechtlicher Sonderfall der Teilzeitarbeit, bei dem das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt 450,00 € nicht überschreitet. 
  • Kurzarbeit: Zeitweilige Kürzung der betriebsüblichen Arbeitszeit, da die betriebliche Auftragslage vorübergehend keine Auslastung der vollen Arbeitszeit erlaubt. 
  • Mehrarbeit: Über die Regelarbeitszeit hinaus realisierte Arbeitszeit #

Flexibilisierung der Lage und Verteilung der Arbeitszeit

 

  • Schichtarbeit: Arbeitszeit mit versetzter Lage und unterschiedlicher oder gleicher Dauer. Derselbe Arbeitsplatz wird von verschiedenen Personen zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten besetzt. 
  • Gleitzeit: Lage und Dauer der täglichen Arbeitszeit können in verabredeten Rahmen frei gewählt werden Eine festgelegte Kernzeit legt die notwendige Anwesenheitszeit fest. 
  • Baukastensystem: Mitarbeiter oder Gruppen können ihre Zeit-Modelle individuell zusammenstellen. Tägliche, wöchentliche, monatliche oder jährliche Modelle sind denkbar. 
  • Jahresarbeitszeit: Die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit ist nicht gleichmäßig verteilt, sondern wird erst im Jahresdurchschnitt erreicht, abhängig vom unterschiedlichen betrieblichen Arbeitsaufwand im Jahresverlauf sowie den Beschäftigteninteressen 
  • Vertrauensarbeitszeit: Im Vordergrund steht eine ergebnisorientierte Arbeitsweise. Beschäftigte gestalten eigenverantwortlich ihre individuelle Arbeitszeit im Rahmen der geltenden rechtlichen Bedingungen. 
  • Sabbatical: Eine Auszeit ermöglicht eine längere Freistellung vom Arbeitsleben um die Zeit individuellen Interessen zu widmen, z. B. für Familienzeit, Weiterbildung oder Reisen. In der Regel bleiben die Arbeitnehmer beim Arbeitgeber angestellt und kehren nach Ende der Freistellung wieder an den alten Arbeitsplatz oder an eine vergleichbare Position zurück. 

Instrumente der Arbeitszeitgestaltung

  • Arbeitszeitkonto: Ein Arbeitszeitkonto ist ein Instrument zur Erfassung der Arbeitszeit, wodurch Abweichungen der tatsächlichen von der vereinbarten Arbeitszeit festgehalten werden können. Dadurch wird ein Guthaben auf- oder abgebaut, das innerhalb eines festgesetzten Zeitraums ausgeglichen wird. Dieses Modell eignet sich besonders gut bei Schwankungen des Arbeitsvolumens. 
  • Langzeitkonto/Lebensarbeitszeitkonto: In Abgrenzung zu Arbeitszeitkonten ermöglichen Langzeitkonten keinen kurz- bis mittelfristigen Ausgleich. Sie haben ein höheres Ansparvolumen und zielen auf andere Entnahmezwecke, beispielweise Sabbaticals, ab. 

Regionen

Der Fachkräftemangel betrifft Regionen unterschiedlich stark. Besonders betroffen sind vor allem die neuen Bundesländer sowie strukturschwache Regionen im Westen. Das hat eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag von PricewaterhouseCoopers (PwC) ergeben. 158 der 413 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland müssten sich auf Beschäftigungsverluste einstellen. Im Osten betrifft das 63 von 87 Kreisen. In westdeutschen Metropolen, wie beispielsweise München werde die Anzahl der Erwerbstätigen dagegen zunehmen. Aber auch einige ostdeutsche Städte wie Potsdam, Leipzig Dresden und Bad Doberan, in denen Technologieunternehmen, Forschungseinrichtungen oder moderne Dienstleister ansässig sind, werden Fachkräfte hinzugewinnen. 

Branchen 

Aus berufsspezifischer Sicht wird der Fachkräftemangel insbesondere Berufe in Gesundheits- und Pflegebereichen, Ingenieure sowie IT-Fachkräfte betreffen. Darauf hat Dr. Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Rahmen der Anhörung zum Fachkräftemangel im Deutschen Bundestag am 21. Februar 2011 hingewiesen. Beim Thema Zuwanderung hat die Bundesregierung die Aussetzung der sogenannten Vorrangprüfung für Maschinenbau-, Fahrzeugbau- und Elektroingenieure sowie für Ärzte beschlossen und umgesetzt. Damit können ausländische Fachkräfte aus besonders gefragten Berufsgruppen leichter eine qualifizierte Arbeit in Deutschland aufnehmen. 

Good Practice 

Gründe für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit 

Für Unternehmen ist es oft sinnvoll, die Arbeitskraft von Mitarbeitern möglichst flexibel zur Verfügung zu haben. Starre Arbeitszeiten wirken sich bei schwankenden Kapazitätsanforderungen negativ aus. Wenn die Auftragslage schwach ist, müssen Arbeitnehmer in gleicher Weise bezahlt werden, auch wenn sie möglicherweise kaum wertschöpfende Arbeit verrichten können. Auch bei hoher Auslastung sind starre Arbeitszeiten nicht ideal, da die Aufträge u. U. nicht rechtzeitig abgearbeitet werden können. Für viele Unternehmen stellt es zudem ein hohes Risiko dar, neue Mitarbeiter einzustellen, wenn die Auftragslage der nahen Zukunft ungeklärt ist und keine flexiblen Arbeitszeitmodelle existieren. Wenn feste Zeiten (beispielsweise Servicezeiten) nicht unbedingt gefordert sind, sondern mit einer schwankenden Auftragslage gerechnet werden muss, ist es im Sinn von Unternehmen, Personal immer nur dann, wenn es benötigt wird, zur Verfügung zu haben. Der Arbeitnehmer hingegen hat in der Regel ein Interesse daran, dass er sich auf sein Einkommen verlassen kann. Ebenso möchte er seine Freizeit planen und den Grad der Flexibilität selbst mitbestimmen können. Viele Arbeitnehmer haben zudem selber ein Interesse daran, ihre Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Beispielsweise Eltern, die sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünschen, und daher für eine gewisse Zeit Arbeitszeit reduzieren bzw. flexibel gestalten möchten. Weitere Beispiele sind ältere Beschäftigte, die sich einen gleitenden Übergang in den Ruhestand wünschen oder Menschen, die sich in Form eines Sabbaticals eine kurze Auszeit aus dem Berufsleben nehmen, um sich anderen Dingen widmen zu können. 

Beispiele aus der Praxis 

Infineon Technologies AG in Warstein 

Arbeitszeitkonto und Schichtsystem 

Zyklische Schwankungen charakterisieren die Halbleiter-Branche. Für die eupec GmbH, mittlerweile in die Muttergesellschaft Infineon Technologies AG integriert, Weltmarktführer in diesem Sektor, hieß das über viele Jahre: Neueinstellungen in Boomphasen, betriebsbedingte Kündigungen in auftragsschwachen Zeiten. Eine „Hire and-fire-Mentalität“, die Personalchef Holger Böhringer als „inhuman und betriebswirtschaftlich wenig sinnvoll“ bezeichnet. Auf seine Initiative entwickelte das Warsteiner Unternehmen mit Unterstützung einer vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Arbeitszeitberatung ein vollkontinuierliches Schichtsystem. Zentrales Ergebnis acht Jahre nach der Einführung: Kein einziger Mitarbeiter wurde seitdem mehr entlassen. Im Gegenteil: Mehr als 400 neue Arbeitsplätze sind entstanden. An flexiblen Arbeitszeiten führt kein Weg vorbei. An dieser Aussage ließ Holger Böhringer seinerzeit keinen Zweifel – und nannte seiner Geschäftsleitung und dem Betriebsrat die Gründe: „Wir operieren auf einem Käufermarkt, das heißt, die Käufer haben eine starke Position, können zwischen zahlreichen Anbietern aus dem In-und Ausland wählen. Das zwingt zur Anpassung an die Kundenwünsche. Neben Preis und Produktqualität werden kurze Lieferfristen und Termintreue immer wichtiger.“ An Bedeutung gewinnt auch der Zeitpunkt, zu dem ein neues Produkt auf den Markt gebracht werden kann. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb erforderlich. Sie gelingt nur durch flexible, wechselseitige Abstimmung der Arbeitszeiten. Als Konsequenz aus seiner Analyse stellte der Personalleiter alle Beteiligten vor die rhetorische Alternative: „Entweder wir erziehen den Kunden dahingehend, dass er bestellt, wie wir arbeiten, oder wir versuchen so zu arbeiten, wie der Kunde es wünscht.“ 

Neues Arbeitszeitmodell 

Das war die Geburtsstunde der Arbeitszeit-Flexibilisierung, die der Sauerländer Hightech-Betrieb – zum Zeitpunkt der Einführung des Modells noch unter der Firmierung „eupec GmbH“ – mit Unterstützung des Beratungsunternehmens AWIS Consult umsetzte. Und so sieht das neue Arbeitszeitmodell, in dessen Zentrum das Arbeitszeitkonto steht, kurz gefasst aus: In Hochphasen mit kräftigen Auftragszuwächsen arbeiten die Beschäftigten seitdem 40 Stunden wöchentlich, in einigen Fertigungslinien dabei auch an Sonn- und Feiertagen. Ganz anders in den Niedrigphasen, bei Nachfrageflauten. Hier arbeiten die Beschäftigten nur 28 Stunden, wobei sie gemäß tarifvertraglicher Regelung (35 Wochenstunden) kontinuierlich weiterbezahlt werden. Die Saldoobergrenze beträgt plus 200 Stunden, die Untergrenze minus 200 Stunden. Schon drei Monate nach Einführung der veränderten Arbeitszeitmodelle waren die erwarteten Umstellungsschwierigkeiten beim betrieblichen Planungs- und Koordinationsprozess beseitigt. Heute sind sich Geschäftsleitung und Betriebsrat einig: Das neue Arbeitszeitsystem ist aus dem Unternehmen nicht mehr wegzudenken. 

Allseitige Akzeptanz 

Zustimmung gibt’s auch auf Seiten der Beschäftigten, wie umfangreiche Personalbefragungen ergaben. Zwar werden die Vor- und Nachteile der Flexibilität je nach persönlichen Zeitpräferenzen sehr unterschiedlich beurteilt, doch sehen die meisten eine deutliche Verbesserung bei der Disposition ihrer Arbeitszeit. Differenziert ist hingegen das Meinungsbild zur Wochenendarbeit: Deren Zunahme wird von den Beschäftigten, kaum verwunderlich, als Belastung angesehen, doch die meisten von ihnen und ihre Familien haben sich mittlerweile auf die Veränderung eingestellt. Positiv hervorgehoben wird vor allem die Vergütung durch zusätzliche Sonn-/Feiertags- und Nachtzuschläge, die trotz der verstetigten Entlohnung beibehalten werden. Sie führten zu einer spürbaren Erhöhung des Arbeitsentgelts. Zufrieden ist die überwiegende Mehrheit mit der neuen Zeitregelung mit bis zu 200 Plus- bzw. Minusstunden sowie mit dem Zeitpunkt bzw. Zeitraum, zu dem die Freizeit entnommen werden kann. Das Fazit des Betriebrats: „Durch die Veränderung der Arbeitszeitmodelle sah die Mehrheit eine Verbesserung ihrer privaten Situation gegenüber vorhergehenden Arbeitszeitmodellen.“

Mehr als 400 neue Jobs

Auch die betriebliche Situation schätzt die Mehrheit der Befragten als verbessert ein. Sie haben erkannt, dass die Bemühungen, Kundenwünsche so gut und schnell wie möglich zu bedienen, im Ergebnis dazu führen, dass der Kunde dieses Vertrauen auch in Aufträge umsetzt und so die Arbeitsplätze am Standort Warstein nicht nur sicherer geworden sind, sondern auch mehrere hunderte neue Jobs entstanden sind. Aktuell wurde die Beschäftigungssicherung durch den mit der IG Metall im Jahr 2007 abgeschlossenen „Tarifvertrag zur Steigerung und Erhalt von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Durch diese Vereinbarung waren betriebsbedingte Kündigungen am Standort Warstein bis 30.09.2012 ausgeschlossen. Die meisten Beschäftigten jedenfalls bewerten, wenn auch mit anderen Worten, das neue Arbeitszeitmodell ganz ähnlich wie die Jury der Zürcher Business School die von Personalchef Holger Böhringer eingereichte Diplom-Arbeit zum Thema „Kundenorientiert und beschäftigungssichernd – Das flexible Arbeitszeit- und Entlohnungsmodell der eupec GmbH!“ mit: „summa cum laude!“.  

 

 

 

Nachweise

  1. Gutmann, Joachim; Hüsgen, Jens (2005): Flexible Arbeitszeit: Wie Sie moderne Konzepte und Modelle nutzen. Planegg: Haufe Verlag. 
  2. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Im Takt? – Gestaltung von flexiblen Arbeitszeitmodellen, 4. Auflage. Dortmund: 2013