Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Erwerbstätigkeit

Einleitung

Die Erwerbstätigkeit gibt an, wie viele Menschen einer beruflichen Beschäftigung nachgehen, entweder als Angestellte oder Selbstständige. Der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung von 15 bis 64 Jahren wird mit der Erwerbstätigenquote beziffert. 

Fakten

Erwerbstätige in Deutschland

Als erwerbstätig gilt, wer mindestens eine Stunde pro Woche eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit als Arbeitnehmer, Selbstständiger oder als mithelfendes Familienmitglied ausübt. Das gilt unabhängig vom Umfang der Tätigkeit. Damit zählen auch Personen, die gelegentliche geringfügige Tätigkeiten ausüben (beispielsweise Minijobber oder 1-Euro-Jobber), als erwerbstätig. 

Im zweiten Quartal 2015 hatten nach vorläufigen Berechnungen rund 42,8 Millionen Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Deutschland. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2014 wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 175 000 Personen. Damit war sie erneut höher als im Vorjahr. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen lag im Jahr 2012 in Deutschland bei 72,6 %, Die Quote ist gegenüber 2009 (70,9%) merklich gestiegen. Die Erwerbstätigkeit von Frauen lag 2012 bei 67,8 %, bei Männern bei 77.8 %. 

Die Erwerbstätigkeit hat sich im ersten Halbjahr 2015 je nach Branche unterschiedlich entwickelt. Zum Anstieg der Gesamterwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahresquartal trugen im zweiten Quartal 2015 überwiegend die Dienstleistungsbereiche bei. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne verzeichneten die Unternehmensdienstleister mit + 110 000 Personen (+ 2,0 %), gefolgt von den Öffentlichen Dienstleistern, Erziehung, Gesundheit mit + 89 000 Personen (+ 0,9 %) sowie dem Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit + 34 000 Personen (+ 0,3 %). Im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) stieg die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr um 18 000 Personen (+ 0,2 %), im Baugewerbe sank sie um 19 000 Personen (– 0,8 %) sowie in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei um ebenfalls 19 000 Personen (– 2,8 %).

Die Erwerbstätigkeit Älterer hat sich in den letzten Jahren verbessert. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen stieg zwischen 2000 und 2014 von 37 Prozent auf 65,6 Prozent und damit so stark wie in keiner anderen Altersgruppe. Auch der Anteil der Erwerbstätigen zwischen 65 und 74 Jahren in den vergangenen Jahren hat sich mehr als verdoppelt. Waren im Jahr 2000 noch 3,7 Prozent der Menschen in dieser Arbeitsgruppe erwerbstätig, lag ihr Anteil im Jahr 2013, dem letzten Jahr, aus dem Zahlen vorliegen, bereits bei 8,7 Prozent.

Zwischen den Geschlechtern gibt es erhebliche Unterschiede, was die Erwerbstätigkeit im Alter betrifft. So arbeiten nur 5,5 Prozent der Frauen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren, während der Anteil unter den Männern im gleichen Alter mit 10,5 Prozent beinahe doppelt so hoch ist. Frauen arbeiten zudem im Schnitt weit weniger Stunden pro Woche.

Im Jahr 2014 gingen in Deutschland 14 % der 65- bis 69-Jährigen einer Erwerbstätigkeit nach. 2005 waren es noch 6 % gewesen. 

Mit zunehmendem Alter gewinnt außerdem die Selbstständigkeit als Erwerbsform an Bedeutung. Rund 39 % der 65- bis 69-jährigen Erwerbstätigen waren 2014 selbstständig oder mithelfende Familienangehörige. Bei den 60- bis 64-jährigen Erwerbstätigen lag der Anteil lediglich bei 16 %.

Viele der als erwerbstätig geltenden älteren Beschäftigten üben einen Mini-Job aus.

Erwerbstätigkeit in höherem Alter hängt in hohem Maße von der Qualifikation der Beschäftigten ab. Je niedriger der Qualifikationsgrad, desto geringer ist die Erwerbsbeteiligung im Alter. Nur knapp ein Viertel der Personen ohne Berufsabschluss sind zwischen 60 und 65 Jahren erwerbstätig. Personen dieser Altersgruppe, die einen Hochschulabschluss haben, sind mit weit knapp 60 % Prozent deutlich häufiger beschäftigt. Zudem verstärken sich die Faktoren Geschlecht, Alter und Qualifikationsmerkmale gegenseitig in ihren Wirkungen: Formal gering qualifizierte ältere Frauen weisen die niedrigste Erwerbstätigenquote auf. 

 

Nachweise

Einzelnachweise

  1. Eurostat (2011): Pressemitteilung vom 29.06.2011: Arbeitskräfteerhebung. [1] 
  2. Statistisches Bundesamt (2011) Pressemitteilung Nr. 064 vom 17.02.2011: 4. Quartal 2010: Erstmals über 41 Millionen Erwerbstätige [2] 
  3. Statistisches Bundesamt (2010) Pressemitteilung Nr. 423 vom 18.11.2010: Erwerbstätigkeit steigt um 0,8% im 3. Quartal 2010 gegenüber Vorjahr.[3] 
  4. Statistisches Bundesamt (2010): Pressemitteilung Nr. 389 vom 28.10.2010: September 2010: Zahl der Erwerbstätigen steigt weiter.[4] 
  5. Statistisches Bundesamt (2010) Später in den Ruhestand?[5] 
  6. DGB et al. (Hrsg.) (2010): Vierter Monitoring-Bericht des Netzwerks für eine gerechte Rente, Berlin.[6] 
  7. Statistisches Bundesamt (2011) Pressemitteilung Nr. 231 vom 20.06.2011; Erwerbsbeteiligung älterer Menschen nimmt zu. [7] 
  8. Die Welt vom 06.05.15, Viele Deutsche wollen gar nicht in Rente gehen. [8] 
  9. Statistisches Jahrbuch 2014 . [9]
  10. Destatis, Pressemitteilung Nr. 272 vom 29.07.2015: Erwerbstätigkeit älterer Menschen nimmt zu  [10]