Entdecken Sie hier zentrale demographische Begrifflichkeiten und Konzepte. Vom "Altenquotienten" bis zum "Work Ability Index".

Altersgemischte Teams

Einleitung

Altersgemischte Teams sind betriebsinterne Teams, in denen ältere und jüngere Beschäftigte zusammenarbeiten. Ziel von altersgemischten Teams ist das gemeinsame Lernen durch den wechselseitigen Wissensaustausch sowie das gemeinsame Lösen einer bestimmten Aufgabe durch das Einbringen der unterschiedlichen Kompetenzen.

Fakten

Im Zuge des demographische Wandels verändert sich auch die Altersstruktur von Belegschaften. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels infolge des schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials und der abgestuften Einführung der Rente mit 67 stehen künftig immer mehr Ältere länger im Berufsleben und werden mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten. Unternehmen sind hier gefordert, sie werden zukünftig verstärkt die produktive Kooperation der Generationen organisieren müssen.

Jüngere und ältere Beschäftigte verfügen über unterschiedliche Stärken und Kompetenzen, die sich gegenseitig ergänzen können. So besitzen Jüngere in der Regel mehr Innovationswissen, da sie aktuelles Wissen aus ihrer Ausbildung mitbringen. Hinzu kommt, dass bei ihnen die sogenannte „flüssige“ (fluide) Intelligenz stärker ausgeprägt ist. Darunter ist vor allem die Fähigkeit zur Informationsaufnahme und -verarbeitung zu verstehen, weshalb sie sich besser und schneller neuen Situationen anpassen können. Auf der anderen Seite haben die Älteren bei der sogenannten „kristallinen“ Intelligenz häufig die Nase vorn. Dazu gehören Fach- und Steuerungswissen, aber auch verbale und soziale Fähigkeiten. Ältere können ihr betriebsspezifisches Erfahrungswissen stärker einbringen, das ebenso wie soziale Intelligenz und komplexes berufliches Wissen erst im Laufe des Lebens aufgebaut wird. Durch die Kombination dieser unterschiedlichen Kompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse kann für das Unternehmen bzw. die Organisation ein großer Mehrwert entstehen.

Altersgemischte Teams bieten zudem die Chance für einen intergenerativen Wissenstransfer. Dadurch kann dem Verlust von wertvollem Erfahrungswissen, der durch das Ausscheiden älterer Mitarbeiter aus dem Betrieb entstehen würde, vorgebeugt werden. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung konnte aufzeigen, dass altersgemischte Teams sowohl die Leistungsfähigkeit von älteren älterer als auch von jüngeren Beschäftigten steigern kann. Die Forschung sieht hier einen Hinweis auf starke positive Ausgleichseffekte zwischen den Altersgruppen, die durch altersgemischte Teams aktiviert werden. Die Vorteile altersgemischter Teams – Wissenstransfer, Erledigung der Aufgaben nach Arbeitsvermögen und Kompetenzen – scheinen bedeutender zu sein als die möglichen Nachteile, wie Kommunikations- oder Generationenprobleme. Voraussetzung für eine Produktivitätssteigerung sind allerdings alter(n)sgerechte Arbeitsbedingungen.


Good Practice

Die Untersuchung altersgemischter Teams bei der SICK AG zeigt, welche Einflussfaktoren darüber entscheiden, ob die Vorteile der generationenübergreifenden Zusammenarbeit im Unternehmen genutzt werden können:

Bildung altersgemischter Teams:
Um die positiven Effekte altersgemischter Teams überhaupt nutzen zu können, müssen solche Teams zunächst einmal vorhanden sein bzw. für die zukünftige Personalplanung vorgesehen werden.

Organisationale Ressourcen:
Den Beteiligten müssen ausreichend Raum und Zeit bei der Zusammenarbeit zur Verfügung stehen. D. h. eine entsprechende personelle Kapazität für übertragene Aufgaben unter Berücksichtigung des benötigten Spielraums zum gegenseitigen Austausch wird vorausgesetzt.

Unternehmenskultur:
Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Nutzung der Potenziale altersgemischter Teams, nämlich eine entsprechende Kultur, ist in den Grundsätzen zur Führung und Zusammenarbeit (GFZ) formuliert und wird bereits in vielerlei Hinsicht mit Leben gefüllt:

  • „Wir teilen unser Wissen im Team mit Kollegen und Mitarbeitern, um gemeinsam die Entwicklung unseres Unternehmens positiv zu gestalten“ (GFZ). Eine durch gegenseitige Offenheit und Wertschätzung geprägte Haltung ist grundlegende Bedingung dafür, dass in den täglichen Prozessen durch die Vielfalt an Wissen und Erfahrungen positive Effekte entstehen können. Dazu sind Unterschiede als Chance zur Weiterentwicklung zu betrachten und es darf keine Kultur der Konkurrenz herrschen.

  • „Jedem einzelnen von uns ist bewusst, dass wir unser Wissen und Können erhalten und ausbauen sollten“ (GFZ). Dieser Aspekt der Lernkultur ist für die Nutzung der Chancen altersgemischter Teams besonders förderlich.

  • Weiterhin hat die Führungskultur einen entscheidenden Einfluss. „Aufgabe der Führungskraft ist es, dem Mitarbeiter die benötigten Ressourcen, Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten, die zum Erreichen der Ziele benötigt werden, einzuräumen“ (GFZ). Daneben bedarf es eines durch Wertschätzung und Offenheit geprägten Umgangs, der von der Führungskraft vorgelebt wird.

Nachweise

Einzelnachweise

  1. SICK AG (Hrsg.): Altersgemischte Teams in der SICK AG

Literatur, Publikationen

  1. Göbel, Christian; Thomas Zwick (2010): Which Personnel Measures are Effective in Increasing Productivity of Old Workers? ZEW Discussion Paper No. 10-069, Mannheim. [2]

Weiterführende Links

  1. Fachkräfte Toolbox Altersgemischte Teams [3]