Newsletter

Möchten Sie regelmäßig über die Aktivitäten des ddn informiert werden? Dann melden Sie sich für den Newsletter an ...

» mehr

Termine

Wednesday, 25.08.2010

6th World Ageing & Generations Congress

Der 6. World Ageing & Generations Congress findet vom 25. bis 28. August 2010 an der Universität St. Gallen in der Schweiz statt. An diesem ...

Monday, 06.09.2010

Demographie-Kongress Best Age

Der 5. Demographie-Kongress des Behörden Spiegel steht unter dem Motto "Der Staat im Wandel - Generationenpolitik zwischen Fürsorge, ...

Thursday, 09.09.2010

Demografischer Wandel: "Und nun? Strategien und Praxisbeispiele aus IT-Unternehmen"

Veranstalter : IT 50plus. Eine Initative von BITCOM und IG Metall gefördert vom BMBFDatum: 09.09.2010, 10:00 - 16:30unter Beteiligung des DNN ...

Interview mit Ulrike Kuckulenz und Andreas Krause, 09.03.2010

Im Alter noch was Neues Lernen?

Mitarbeiter bei der Deutschen Bahn, die aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen ihren Job verlieren, werden für neue Anforderungen qualifiziert. Dabei sind über die Hälfte der Weiterqualifizierten über 50 Jahre alt. Lesen Sie das Interview mit Ulrike Kuckulenz und Andreas Krause von der Deutschen Bahn zur bedarfsorientierten Qualifizierung sowie zur Frage, warum der demographische Wandel zur täglichen Arbeit gehört.

 


Ulrike Kuckulenz ist Leiterin Beschäftigungsförderung bei der DB JobService GmbH der Deutschen Bahn.

 

 

 

Andreas Krause arbeitet als Referent Qualifizierungsmanagement bei der DB JobService GmbH der Deutschen Bahn.

 

 

 


1. Frau Kuckulenz, Herr Krause, was sind die Aufgaben der DB JobService GmbH?

Seit 1996 gibt es bei der Deutschen Bahn Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Verlieren Mitarbeiter rationalisierungsbedingt ihren Arbeitsplatz, wird mit Hilfe der Personalberater/-vermittler der DB JobService GmbH im Rahmen der sogenannten „Vorvermittlung" ein neuer Arbeitsplatz im DB-Konzern gesucht. Dies gelingt in drei von vier Fällen. Die Mitarbeiter, die nicht direkt von Arbeit in Arbeit vermittelt werden können, wechseln in den JobService. Hier wird in intensiven Gesprächen zwischen dem Referenten der Beschäftigungsförderung und dem Mitarbeiter geklärt, welche Maßnahmen erfor-derlich sind, um einen neue berufliche Perspektive zu eröffnen. Hierbei spielt häufig die Qualifizierung eine Rolle.
Wenn wir jemanden erfolgreich in eine neue Tätigkeit vermitteln wollen, muss der Mitarbeiter dafür entsprechend qualifiziert sein.
Sind für die neue Tätigkeit neue fachliche Anforderungen erforderlich, müssen bestehende Kenntnisse und Fähigkeiten aktualisiert und Qualifikationsdefizite ausgeglichen werden. Manchmal vermitteln wir auch Mitarbeiter in eine gänzlich neue Tätigkeit, für die, vergleichbar mit einer Umschulung, besondere Kenntnisse weitgehend neu erlernt werden müssen.
Die eigentliche Qualifizierung wird durch uns beauftragt und mit dem konzerninternen Qualifizierungs- und Beratungsanbieter DB Training konzipiert und durchgeführt. Parallel dazu identifizieren wir dann potenzielle Mitarbeiter, beraten diese und stellen alle erforderlichen Voraussetzungen zur Teilnahme an der Weiterbildung sicher. Die Motivation der Teilnehmer ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Qualifizierung und der anschließenden Vermittlung auf einen neuen Arbeitsplatz. DB JobService hat sehr viel Erfahrung darin gesammelt, wie mit einem guten Mix an Information, Kommunikation und Vertrauen die Mitar-beiter zielgerichtet auf ihre neue Perspektive vorbereitet werden.


2. Wie sieht die bedarfsorientierte Qualifizierung in der Praxis aus?

Als der Personaldienstleister auf dem Konzernarbeitsmarkt sind wir ständig über den kurz- und mittelfristigen Personalbedarf in den Geschäftsfeldern der Deutschen Bahn informiert. Ein genaues Kompetenzprofil und eine detaillierte Stellenbeschreibung helfen uns, die genauen Anforderungen zu definieren und anhand derer die potenziellen Mitarbeiter zu ermitteln, die grundsätzlich für den neu zu besetzendenArbeitsplatz in Betracht kämen.
Die Bedarfsträger, also diejenigen, die Stellen zu besetzen haben, wählen dann mit uns die potenziellen Mitarbeiter aus. In einer Informationsveranstaltung erhalten die Mitarbeiter alle Informationen über die neue Tätigkeit und was sie als Rahmenbedingungen erwartet. Oftmals schließen sich Praxiseinsätze vor Ort an; manchmal sogar ein längeres Praktikum. Anschließend bewerben sich die interessierten Mitarbeiter auf die ausgeschriebene Stelle.

 

3. Die bedarfsorientierte Qualifizierung gibt es im DB JobService in dieser Form seit 2007. Wie sehen Ihre bisherigen Erfahrungen aus?

Durchweg gut. Die Basis für den Erfolg ist eine partnerschaftliche und zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern, den Bedarfsträgern, DB Training, aber auch unserer Interessenvertretungen wie den Betriebsräten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch ein hohes Maß an Transparenz und Verbindlichkeit das Vertrauen und damit natürlich auch die Motivation und die Bereitschaft bei den Mitarbeitern wachsen.
Es ist für den Mitarbeiter nicht einfach, wenn er seinen Arbeitsplatz oft nach Jahrzehnten verliert und noch einmal von Vorne anzufangen muss.

 

4. Das müsste älteren Mitarbeitern doch noch um einiges schwerer fallen, oder?

Das ist richtig. Für uns ist jede Qualifizierungsmaßnahme auch ein Demographiethema. Über die Hälfte der Mitarbeiter, die sich bei DB JobService in der Übergangsphase befinden, sind älter als 50 Jahre. Bei manchen Qualifizierungsmaßnahmen sind es sogar über 80 Prozent. Jüngere Mitarbeiter finden viel häufiger sofort eine neue Anschlussbeschäftigung, ohne dass ein Wechsel in den JobService notwendig wird.
Natürlich reagieren einige erst einmal verunsichert. „Ich soll noch etwas Neues lernen? In meinem Alter? Nach dreißig Jahren in ein und demselben Job?". Manchmal sollen Fähigkeiten erlernt werden, mit denen es vorher so gut wie keine beruflichen Berührungspunkte gab: Beispielsweise wenn ein älterer Zugbegleiter nach dreißig Jahren IT-Kenntnisse erlernen soll. Da heißt es dann zunächst einmal „Mutmachen und Motivieren".
Die Verunsicherung legt sich dann aber meistens ganz schnell - spätestens bei der Informationsveranstaltung, wenn den Mitarbeitern genau vermittelt wird, was sie erwartet. Ist die Hemmschwelle erst überwunden, lernen ältere Mitarbeiter zwar anders, aber eben so schnell wie jüngere. Vor allem ihr Erfahrungswissen spielt hier eine große Rolle.

 

5. Gerade IT-Kenntnisse sind heute doch sicher der Schlüssel für eine erfolgreiche Qualifizierung? Und gerade ältere Mitarbeiter sind auf diesem Gebiet nicht immer umfangreich geschult, oder?

IT-Kenntnisse sind heute wohl so unverzichtbar wie das Beherrschen von Lesen und Schreiben. Selbst in eher traditionellen Berufen hält der Computer mehr und mehr Einzug. IT-Kenntnisse sind also nicht nur wichtig im Rahmen der Qualifizierung, sondern als Weiterbildungsmaßname für alle Mitarbeiter des DB-Konzerns.
DB JobService hat im hausinternen Intranet eine Plattform entwickelt, auf der Mitarbeiter ihre Kompetenzen am Computer weiterentwickeln können. Wir haben nicht nur Lernmodule zusammengetragen und aufbereitet, sondern bieten auch Hilfestellungen bei gängigen Fragen sowie einen Test zur Selbsteinschätzung der IT-Kompetenzen. Es freut uns besonders zu sehen, dass sich viele Mitarbeiter auch am Wochenende hier einloggen, weil sie wissen, dass sie sich hier selbständig fortbilden können oder Hilfe bei ihrem Problem mit dem heimischen Textverarbeitungsprogramm finden.

 

6. Welche Anforderungen werden in Zukunft auf Sie zukommen?

Die Geschwindigkeit von Veränderungsprozessen aufgrund der technologischen Entwicklung oder der Rahmenbedingungen im Wettbewerb nimmt ständig zu. Dies verlangt auch den Mitarbeitern immer mehr ab. Realistische Qualifizierungspfade für die Mitarbeiter zu finden ist eine Herausforderung. Wichtig dabei sind Praxisphasen und nach Abschluss der Qualifizierung ein sofortiger Einsatz in der neuen Tätigkeit.
Deshalb wird sich der Konzernarbeitsmarkt in Zukunft bei der Gestaltung von Qualifizierungsmaßnahmen noch stärker an der strategische Personalplanung ausrichten und mehr Flexibilität bei der Konzeption und neue Ideen bei zielgruppengerechten Methoden anstreben. Wesentlich dazu beitragen, dass die vorhandenen Personalressourcen im Konzern optimal genutzt werden, ist eine der Herausforderungen des demographischen Wandels schlechthin.

 

Das Interview als pdf zum Download.